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Sensationelle Trump-Tirade

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Festspiele Ludwigshafen: Mit dem Hamburger Gastspiel von Elfriede Jelineks „Am Königsweg“ wird das Festival politisch

Ludwigshafen.Sein Name fällt über dreieinhalb Stunden kein einziges Mal. Dass „er“ dennoch durchgängig gemeint ist, daran lässt die gigantische Textfläche der Österreicherin Elfriede Jelinek dennoch keinen Zweifel. An Zitaten, Sottisen und verbalen Ausfällen erkennen wir schnell, dass das Drama „Am Königsweg“ sich um keinen Geringeren als den aktuellen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika dreht. Am Wochenende ist das umgangssprachlich als „das Trump-Stück“ bekannt gewordene Theaterereignis gleich zweimal im Rahmen der Festspiele Ludwigshafen im Pfalzbau zu sehen.

Das Stück entstand im US-amerikanischen Wahlkampf und in den ersten Monaten seiner für bisher unmöglich gehaltenen Präsidentschaft. Doch unverhofft kommt oft. Das weiß auch Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek.

Grandiose Inszenierung

Vor genau zwei Jahren wurde die laute, grelle Tirade am Deutschen Schauspielhaus Hamburg von Falk Richter uraufgeführt – und seither etliche Male nachgespielt. Im Rahmen der Werkschau des Deutschen Schauspielhauses, mit der sich die Festspiele heuer schmücken, ist nun „das Original“ oder zumindest der erste Regie-Zugriff auf Jelineks gleichsam schäumend-geifernde wie burlesk-tragische Textfläche zu sehen. Aus gutem Grund hat Tilman Gersch, Intendant des Theaters im Pfalzbau wie von deren Festspielen, genau diesen Abend nach Ludwigshafen geladen. Der Abend wurde mit Auszeichnungen regelrecht überschüttet.

Es war nicht nur eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2018 und wurde im gleichen Jahr auch mit dem Publikumspreis der Mülheimer Theatertage ausgezeichnet, sondern darf sich gemäß Kritikerumfrage der Fachzeitschrift „Theater heute“ auch mit den Ehrentiteln „Stück des Jahres“, „Inszenierung des Jahres“, „Schauspieler des Jahres“(Benny Claessens) und „Kostümbild des Jahres“ (Andy Besuch) schmücken. Neben dem dem schrillen belgischen Ausnahmetalent Claessens dürfen sich Sprechtheaterfreunde auch über die Comedienne Idil Baydar und die Schauspiellegende Ilse Ritter freuen.

Der Abend ist bunt, laut, zynisch und scheut sich auch nicht vor Klischees oder Banalisierungen. Vor allem aber sucht er die Auseinandersetzung mit dem demokratischen Desaster eines US-Präsidenten Donald Trump und erstarkendem Rechtspopulismus im Allgemeinen. Darüber hinaus gilt diese Theatersensation als gnadenlose Abrechnung mit der Hilflosigkeit der Intellektuellen, die keine Antwort finden auf die explosionsartige Ausbreitung von Dummheit, Geschmacklosigkeit und Gewalt. Der „Königsweg“, wir ahnen es, ist nicht nur ein Scheide-, sondern auch ein Holzweg ...

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