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„Sie scheitern an den Strukturen“

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Premiere: Das Nationaltheater Mannheim zeigt Hans Falladas „Kleiner Mann - was nun?“

Mannheim.Die Handlung des 1932 erschienenen Romans „Kleiner Mann – was nun?“ von Hans Fallada, der seit den 1970er Jahren immer wieder in Bühnenfassungen gezeigt wird, spielt zwar in den Zeiten der Weltwirtschaftskrise nach 1929, ist aber von ungebrochener Aktualität. Verkäufer Pinneberg und seine Frau Lämmchen, die ein Kind erwartet, haben nicht viel, aber alles, was man braucht – bis Pinneberg aufgrund einer Intrige seine Arbeit verliert. Durch Beziehungen kann er zwar einen neuen, schlecht bezahlten Job ergattern. Doch weil er dort die Verkaufsquote nicht erfüllt, wird er schließlich arbeitslos, ohne Aussicht auf eine neue Anstellung. Seine Frau hält zu ihm, aber gesellschaftlich befindet er sich im Abseits.

Viele Parallelen zu heute

Menschen, die arbeiten wollen, um ihren bescheidenen Lebensstil zu finanzieren, scheitern an der Skrupellosigkeit ihrer Arbeitgeber und an der Trägheit von Behörden und Versicherungen. Bald hundert Jahre ist der Stoff nun alt, doch die Geschichte könnte sich auch 2018 im Haus nebenan genau so abspielen. Dass sie das auch tut, zeigt Volker Löschs Inszenierung am Nationaltheater Mannheim (NTM), die am Samstag, 5. Mai, um 19.30 Uhr im Schauspielhaus Premiere feiert. Pinneberg (Benjamin Pauquet) und Lämmchen (Celina Rongen) haben eigentlich beste Voraussetzungen, um eine Arbeit zu finden: Sie sind motiviert, jung, gut ausgebildet, und es ist eigentlich sehr bescheiden, was sie vom Leben erwarten. „Sie scheitern an den Strukturen. Das ist etwas, was sich in der Repräsentanz der Vorgänge extrem aufs Heute legt,“ sagt Lösch. Am Text wurde, bis auf die Bühnenadaption, nichts geändert. Er ist vielleicht sogar näher am Original als frühere Versionen: Der Textfassung liegt das 2016 erschienene Manuskript zugrunde, das bereits in der Erstausgabe von 1932 stark gekürzt wurde.

„Es geht um die neue Klasse der prekär Arbeitenden“, erläutert Lösch. Sie kommt in den Videoeinspielungen (Robi Voigt) zu Wort: „Wir stellen Falladas Erzählung in einen Resonanzraum von Interviews, in denen Mannheimerinnen und Mannheimer von ihren Erfahrungen mit prekären Arbeitsbedingungen und Lebensverhältnissen erzählen.“ Der Regisseur will zeigen, dass alle diese Menschen gemeinsam eine neue Klasse bilden: „Denn wenn sie wissen, dass sie zusammengehören, können sie anfangen, gegen Ungerechtigkeit und gegen Ausbeutung zu protestieren.“

Plattform für den Diskurs

Mit seiner Inszenierung möchte Lösch auf die schlechten Arbeitsbedingungen vieler Menschen aufmerksam machen, aber auch diejenigen ins Theater holen, die sich davon bisher eher nicht angesprochen fühlen: „Stadt-Theater sollten sich mit der Lebensrealität und den Belangen der Bürgerinnen und Bürger der jeweiligen Stadt beschäftigen. Sie sollten den Anspruch haben, wichtigster politischer Diskursort der Stadt zu sein.“