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Spätes Rollendebüt trotz lang gehegter Vorliebe

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Musiktheater: Johannes Martin Kränzle gastiert im Festlichen Opernabend „Hänsel und Gretel“

Mannheim.Gefeierter Bariton auch an den ganz großen Opernhäuser wie der Met in New York, der Mailänder Scala oder in London, Paris oder Madrid: Johannes Peter Kränzle gastiert am kommenden Samstag, 1. Februar, um 19 Uhr im Nationaltheater beim ersten Festlichen Opernabend (FOA) des Jahres 2020 als Peter Besenbinder in der Märchenoper „Hänsel und Gretel“, zusammen mit Michaela Schuster (Mezzosopran) als Knusperhexe. In Mannheim war er schon oft als Besucher, auf der Bühne am Goetheplatz aber bislang nur ein paar Mal, in den 1990-er Jahren als „Barbier von Sevilla“. Grund genug, den Weltstar zu befragen.

Die Partie des Peter Besenbinder ist trotz Ihrer langen Karriere ein Rollendebüt. War die Partie Ihnen trotzdem vertraut?

Johannes Martin Kränzle: Ich verbinde sogar ein wichtiges Ereignis damit. Die Szene des Peter Besenbinder mit der Arie „Rallala, heissa Mutter“ gehörte zu meiner Examensprüfung an der Frankfurter Musikhochschule. Weil sie mir so gut lag und gefiel, habe ich sie zusammen mit meinem Gesangsprofessor Martin Gründler eigens dafür ausgewählt. Darum freue ich mich jetzt sehr darauf.

Was ist für Sie das Besondere an „Hänsel und Gretel“?

Kränzle: Ich finde die Oper musikalisch großartig und anrührend, fast ein wenig zu lang für Kinder, aber für Erwachsene absolut ein Genuss. Die Volks- und Kinderlieder wirken überhaupt nicht aufgesetzt, sondern sind kunstvoll in den Gesamtkontext eingebunden. Zwischen Humperdinck und Wagner sehe ich keinen großen Qualitätsunterschied.

Sie sind jemand, der seine Rolle auch schauspielerisch sehr ernst nimmt …

Kränzle: Klar, mir hat da vor allem das Sprechtheater in Frankfurt sehr gute Impulse gegeben, die komplexe Erarbeitung von Charakteren, aber auch eine sehr klare Artikulation anzustreben. Ich finde es wichtig, dass das Publikum das Gesungene versteht. Im Schauspiel, das ich immer noch sehr gern besuche, bleibt manchmal etwas auf der Strecke.

„Hänsel und Gretel“ geht im Finale zu Herzen. Ist das für Sie auf der Bühne nach überstandener bösartiger Krankheit besonders intensiv?

Kränzle: Nein, der emotionale Schluss gehört zur Oper, für mich steht immer die professionelle Interpretation und Darbietung im Mittelpunkt. Nach meiner schweren Erkrankung ist für mich aber jeder Auftritt, jede Partie, die ich singe, ein großes Geschenk. Überhaupt ist es wie ein Wunder, dass ich wieder vollwertig meinen Beruf ausüben kann, gerade von der körperlichen Physis her. Daran denke ich dankbar jeden Tag.

Sie waren – neben vielen anderen Auszeichnungen – zweimal Sänger des Jahres. Welche Ziele haben Sie jetzt?

Kränzle: Kann nur noch abwärts gehen … (lacht). Nein, außer guter Gesundheit brauche ich keine ehrgeizigen Wegmarken mehr. Ich freue mich aber auf die neuen Aufgaben in diesem Jahr, etwa die Titelrolle von Olivier Messiaens einziger Oper „Saint François d’Assise“ im Mai auf der Bühne der Elbphilharmonie. Doch, einen tiefen Wunsch habe ich: Gern würde ich den „Wozzeck“ von Alban Berg in einer Neuproduktion erarbeiten, bislang bin ich jeweils eingestiegen. Ich weiß, die Rolle liegt mir richtig gut.

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