Veranstaltungen

Tanz durch Ballsaal und Meer

Theater: Pfalzbau Ludwigshafen zeigt Verdis Oper „La Traviata“ und Lisbeth Gruwez’ Tanzstück „The Sea Within“

Ludwigshafen.Eine Begegnung mit sehr unterschiedlichen Bühnenfiguren aus zwei Jahrhunderten und Kunstformen ermöglicht das Theater im Pfalzbau. Im Musiktheater zeigt Tilman Gerschs Gastspielhaus Verdis Oper „La Traviata“, produziert vom kooperierenden Pfalztheater Kaiserslautern. Einen sehr heutigen Blick auf emanzipatorische Belange bietet indes die belgische Tänzerin und Choreographin Lisbeth Gruwez mit ihrer Tanzarbeit „The Sea Within“.

Die junge, schöne Kurtisane Violetta Valéry, die an der Schwindsucht erkrankt ist, lernt auf einem rauschenden Ball den jungen Edelmann Alfredo Germont kennen, in den sie sich Hals über Kopf verliebt. Das Liebespaar zieht sich aufs Land zurück, doch die gesellschaftliche Realität holt die beiden bald in Gestalt von Alfredos Vater ein. Es darf nicht zusammenleben, was gesellschaftlich nicht zusammengehört. Der Verlobte von Alfredos Schwester droht damit, die Verbindung aufzulösen, sollte die unstandesgemäße Mesalliance andauern. Aufopferungsvoll rät Violetta ihrem Alfredo, die Ehe der Schwester zu retten. Nach Paris zurückgekehrt, bricht Violettas Krankheit unaufhaltsam aus. Als Alfredo zu ihr zurückkehrt, ist es zu spät: Es bleibt ihnen nur noch eine kurze Illusion von einer gemeinsamen Zukunft, bevor Violetta stirbt.

Literarisch formte Alexandre Dumas Sohn das Prostituiertenschicksal zur „Kameliendame“, deren Schicksal er damals aus Gründen der Zensur in das 18. Jahrhundert verlegt hatte. Gleichwohl hielt der französische Literat seinen Zeitgenossen Mitte des 19. Jahrhunderts einen Spiegel in Sachen Frauenbild, Doppel- und Sexualmoral vor.

Scheinheilige Doppelmoral

Komponist Giuseppe Verdi machte Violetta im Titel zur „vom rechten Wege Abgekommenen“, die als „La Traviata“ sowohl als Frauen- wie als Opernfigur unsterblich wurde.

Am Freitag, 7. Februar,19.30 Uhr, und am Sonntag, 9. Februar, 18 Uhr, ist Verdis beliebte Oper als Gastspiel des Pfalztheaters Kaiserslautern nun gleich zweimal zu Gast auf den Pfalzbau Bühnen.

Dass „La Traviata“ auch heute noch die Seelen berührt, beweist René Zisterers einfühlsame Neuinszenierung. Agnes Hasun gestaltete hierzu ein dezentes Bühnenbild mit hohen, grau-beigen verschiebbaren Wänden und einer kleinen Guckkastenbühne, die die vermeintliche Idylle des Landlebens schon als das zeichnet, was sie ist: Begrenztheit der Möglichkeiten, aus den gesellschaftlichen Konventionen auszubrechen.

Susanne Langbein als Violetta und Daniel Kim als Alfredo - stehen im Zentrum des traurigen Geschehens, das Uwe Sandner am Pult orchestral gestaltet.

Auf stürmischer See

Am Mittwoch, 12. Februar, weitet sich der Blick auf heutige gesellschaftliche Stellung von Frauen. Lisbeth Gruwez, 1977 im flämischen Courtrai geboren und bekannt geworden durch Arbeiten des belgischen Theatermachers und Bildenden Künstlers Jan Fabre, gilt vielen längst selbst als Grande Dame des zeitgenössischen Tanzes. Ihre Tanzsprache ist einzigartig, ihre Bewegungen sind fließend und von bestechender Schönheit.

In „The Sea Within“ tanzt sie erstmals nicht selbst. Das Bild des „inneren Meers“ fungiert als Seegang, der die zehnköpfige Frauengruppe umtreibt, die der Bewegung des Kommens und Gehens ausgeliefert sind wie den aufkommenden und abziehenden Stürmen. Die Tänzerinnen wirken auf der Bühne wie Seeanemonen, die sich öffnen, eine nach der anderen. „The Sea Within“ ist somit auch ein feministisches Stück, in dem die Tänzerinnen einerseits ihre Sinnlichkeit, andererseits ihre Muskelkraft und Aggressivität zum Ausdruck bringen.

Zum Thema