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Schauspiel: Theater Heidelberg zeigt Christoph Nußbaumeders „Im Schatten kalter Sterne“

Technokrat gerät ins Wanken

Archivartikel

Heidelberg.Wolfgang Anders ist Programmierer. Ein Typ unserer Zeit, denn er gründet ein Start-up-Unternehmen, das läuft und läuft und läuft, ein Konzern kauft sich ein und ihn raus. Aber er darf erst einmal der Obermacker bleiben. Alles paletti? Die Zukunft mit Freundin und Hausbau ist „programmiert“. Dr. Anders setzt auf Schwarm-Intelligenz. Die soll militärisch über Drohnen-Einsätze ihre Effizienz beweisen. Unser Chefentwickler liefert gleich ein „Ethik-Modul“ als salvatorische Klausel mit und glaubt, damit auf der sicheren Seite zu sein. Nichts kann also schiefgehen, der Fortschritt ist unaufhaltsam. Aber dann passiert etwas Unvorhergesehenes, der beste Freund von Wolfgang Anders bringt sich um, und das so schön zurechtgezimmerte Gebäude stürzt ein, weil Dr. Anders ins Grübeln darüber gerät, was er da eigentlich tut.

Christoph Nußbaumeder, vielfach ausgezeichneter Theaterautor und mit „Mutter Kramers Fahrt zur Gnade“ sowie „Von Affen und Engeln“ bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen vertreten und vor zehn Jahren Hausautor am Nationaltheater Mannheim, hat in seinem neuen Stück „Im Schatten kalter Sterne“ die Implikationen von künstlicher Intelligenz und Rüstungsindustrie thematisiert. Damit bringt er ein gutes halbes Jahrhundert nach den „Physikern“ von Dürrenmatt die ethische Diskussion auf den aktuellen Stand. Denn Anders muss plötzlich über die Konsequenzen seiner Programme nachdenken, die er zuvor recht unbekümmert und optimistisch entwickelt hatte. Technokraten und Philosophie, das passt halt selten zusammen. Thomas, der tote Freund, wird zu seinem virtuellen Begleiter.

Mehrfachrollen

Das Theater Heidelberg zeigt am Samstag, 6. Oktober (Alter Saal, 19.30 Uhr), das Stück als Uraufführung. Bernhard Mileska inszeniert, Jonathan Schimmer ist in der Hauptrolle des Softwareentwicklers für künstliche Intelligenz, Dr. Wolfgang Anders, zu erleben. Steffi Wurster entwirft die Bühne, Romy Springsguth die Kostüme, Milena Kipfmüller ist für das Sounddesign zuständig. In weiteren (Mehrfach)-Rollen wirken Anne Welenc, Steffen Gangloff, Christina Rubruck, Martin Wißner und Sheila Eckhardt mit.

Info: Termine am 6. Oktober (Premiere), 11., 14., 16. Oktober, 5., 7., 9. November sowie 25., 26. Januar 2019 (Info: 06221/58 20 000).