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Thomas Siffling: „Wir wollen auf jeder Landkarte stehen“

Jazz: Interview mit Thomas Siffling, der das „Ella & Louis“ im Rosengarten als Jazz-Club und Bar etablieren möchte

Vor Urzeiten war es die Küche, ab 1974 verdiente sich hier der Rosengartenkeller Kultstatus in Mannheim, von 1966 bis 2003 machte das Dorint-Hotel daraus das „Fire & Fun“ – und ab sofort bespielt Trompeter Thomas Siffling darin einen Jazz-Club: das „Ella & Louis“ im Untergeschoss des Rosengartens, benannt nach zwei der größten Jazz-Musiker aller Zeiten, Ella Fitzgerald und Louis Armstrong. Im Interview erläutert Siffling sein Konzept.

Herr Siffling, heute ist auch bei Festivals- und anderen Musikprogrammen von Kuratieren die Rede. Wie sieht ihr kuratorisches Konzept für den neuen Club „Ella & Louis“ aus?

Thomas Siffling: Die erste Spielzeit ist so gedacht, dass „Ella & Louis“ sowohl Live-Club als auch Bar ist. Zum einen gibt es in Mannheim bisher noch keine Tradition für einen Club dieser Größe, der regelmäßig zweimal die Woche Jazz bietet. Das heißt auch: Wir müssen die Leute erst mal daran gewöhnen, dass sie montags und dienstags immer an derselben Stelle Jazz hören können. Den Montag kuratiere ich. Am Dienstag ist die IG-Jazz bei uns im Boot. Einmal im Monat haben wir freitags ein Konzert in Zusammenarbeit mit dem „Mannheimer Morgen“ unter dem Titel „Jazz im Quadrat – Hautnah“.

Wie läuft das ab?

Siffling: Es gibt sechs Shows mit Entdeckungen wie Flourishless, am 5. Oktober, die von Lesern gewählt wurden. Ich sage das allen Studenten. Das ist der beste Slot in dem Laden für Nachwuchskünstler. Dazu gibt’s drei weitere Konzerte mit bekannten Musikern wie Schlagzeuger Pete York oder Emil Mangelsdorff. Das ist ein tolles Konzept.

Es gibt aber noch weitere Reihen wie „New Jazz Voices“, die aus dem Schatzkistl zu Ihnen wechselt.

Siffling: Die kommen ab Dezember, ja. Einmal im Quartal haben wir auch die Musiktalkreihe „Jazz x persönlich“, gefördert von der Klaus Tschira Stiftung. Die lief bisher im Heidelberger Landfried-Komplex. Das ist eine schöne Mischung für die erste Saison.

Stieß es überall auf Gegenliebe, dass Reihen wie auch die der IG Jazz in der Klapsmühl’ zu Ihnen abwandern?

Siffling: Bei den „New Jazz Voices“ war ich da nicht selbst aktiv, bei der IG Jazz schon. Weil ich es schon komisch gefunden hätte, wenn die in einem anderen Club spielen würden, während es im „Ella & Louis“ bis zu vier Tage in der Woche Jazz gibt. Schließlich soll der Club die Anlaufstelle für Live-Jazz in Mannheim sein. Ich glaube, das ist eine Win-Win-Situation: Uns helfen die Reihen beim Programm. Dafür gibt es hier eine tolle Ausstattung, gute Technik, einen schönen Flügel und sicher auch anderes und damit mehr Publikum. Das wird sich gegenseitig befruchten, auch inhaltlich. Die IG Jazz ist musikalisch moderner aufgestellt, ich etwas massenkompatibler – da findet jeder Jazz-Fan, was er sucht.

Aber kein Enjoy-Jazz-Konzert.

Siffling: Das ist dem geschuldet, dass das Festival mit dem Programm schon sehr weit war, als es bei uns konkret wurde. Auf die Schnelle ging das dann nicht mehr, auch wenn ich es schön gefunden hätte. Es wird da für nächstes Jahr Gespräche geben – aber nicht zu jedem Preis. Außerdem muss man gerade am Anfang meine Handschrift im Programm erkennen.

Wo soll „Ella & Louis“ in fünf Jahren stehen?

Siffling: Mein Nahziel ist: In fünf Jahren will ich vier Konzerttage in der Woche. Und irgendwann wollen wir auch überwiegend als offener Livemusik-Club wahrgenommen werden, der auf jeder Landkarte steht. Wenn die Amis kommen, muss es bei denen auf dem Plan stehen, dass sie hier spielen wollen. Aber durchaus auch mal Singer-Songwriter, Worldmusic – da bin ich offen.

Auch für Kleinkunst? Dafür wäre die Kapazität auch ideal.

Siffling: Nein, da wollen wir den angestammten Häusern nicht ins Gehege kommen.

Die Konzerte füllen nach dem prallen Eröffnungsprogramm also zwei Abende. Was passiert ansonsten im „Ella & Louis“?

Siffling: Ich möchte auch, dass die Menschen neugierig sind und einfach einmal in den Club gehen, sich da wohlfühlen, etwas trinken und danach sagen: Da müssen wir mal auf ein Konzert gehen. Es wird Musik laufen, die von mir als Playlist kuratiert ist. Wir haben aber auch ein Barpianistenkonzept entwickelt. Es wird an jedem Abend auch ein Barpianist da sein. Und natürlich ein guter Barkeeper.

Was sind das für Musiker?

Siffling: Wir haben dafür eine Kooperation mit der Musikhochschule. Das werden also Studenten sein. Das mag nicht zwingend notwendig sein, ich finde aber, dass der Club dadurch eine Aufwertung erfährt. Etwas Exklusives. Das soll nicht aufdringlich sein, sondern nur eine schöne Farbe reinbringen.

Sie powern beim Live-Programm in der Eröffnungswoche ganz schön, unter anderem mit einem internationalen Star wie Nils Wogram. Wie trägt sich das mit 199 Steh- oder 125 Sitzplätzen?

Siffling: Das war tatsächlich eine der Lehren, die ich schnell begriffen habe. Dass ein Club in der Größenordnung finanziell nicht darstellbar ist. Wir sind zu klein, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Ich muss ja von der Putzfrau bis zur Gage, Gema, Klavierstimmer, Künstlersozialkasse und so weiter alles reinrechnen. Trotz zwei starken Partnern wie dem Rosengartenbetreiber m:con und Dorint rennen mir die Kosten davon.

Wie fangen Sie sie ein?

Siffling: Deshalb gibt es das Gesellschaftermodell in einer gemeinnützigen GmbH. JazziMa heißt diese Betreibergesellschaft, die für den Inhalt zuständig ist. Die 21 Gesellschafter sind gewillt, das Projekt zu unterstützen mit mir als geschäftsführendem Gesellschafter. Das gibt uns die Möglichkeit, das Defizit die nächsten Jahre auszugleichen. Etwas vier bis fünf Jahre sind damit abgedeckt. Auch abhängig davon, wie wir uns entwickeln. Das ist ein richtiger Run geworden. Da kommen immer mehr Leute auf mich zu, da sieht man: Es gibt hier ein richtiges Mäzenatentum in Mannheim.

Wer sind die Gesellschafter?

Siffling: Das sind alles Leute aus der Stadt, Leute die Aufzugsfirmen oder Bauunternehmen haben, ehemalige BASF-Vorstände. Eine bunte Mischung. Die Unterstützer bekommen einmal im Jahr eine Spendenaufforderung, je nachdem, wie hoch der Bedarf ist.

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