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Trauer und Sehnsucht

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Klassik: Preisgekrönte Violinistin Sarah Christian leitet das Konzert der Kammerakademie

Mannheim.Menschenliebe, Brüderlichkeit, politische und religiöse Toleranz – an diese Ideale hat der Freimaurer Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) geglaubt. In seine Musik hat er seine Weltanschauung mit einfließen lassen. Am Sonntag, 12. Mai, steht der Komponist bei einem Konzert der Kammerakademie des Mannheimer Nationaltheaters im Opernhaus musikalisch im Mittelpunkt.

Zu Gast ist die vielfach preisgekrönte Geigerin Sarah Christian (29), die das Konzert leitet. Unterstützt wird sie vom Ersten Solobratschisten des Orchesters, Julien Heichelbech.

Melodie zum Trost

Für zwei verstorbene Logenfreunde schrieb er die Maurerische Trauermusik c-Moll (Uraufführung: 1785). Sie bedient sich einer alten Melodieformel aus der Gregorianik und ist somit auch fernab von der Kirche tiefreligiös. Für Mozart selbst galt sie wohl als Hymne auf die Freimaurerei, die ihm angesichts dieses Verlusts Trost spendete.

Nachdem der Aufenthalt in Paris Ende der 1770er Jahre für Mozart ein Desaster gewesen war, machte er auf seiner Rückreise nach Salzburg einen Zwischenstopp in Mannheim. Dort lernte er Musiker der Hofkapelle kennen. Ihm gefiel die Art der Musik, die die Musiker – frei und ohne Vorschriften –machten. Inspiriert durch seine Bekanntschaft mit dem Mannheimer Orchester und der Sehnsucht nach der Stadt schrieb er in Salzburg seine Sinfonia concertante (Uraufführung circa 1779). Darin treten zwei Soloinstrumente, Violine und Viola, eingebettet in ein Orchester, in einen Dialog.

Im Angesicht des Todes

Das dritte Stück an dem Abend wird Franz Schuberts (1797–1828) Streichquartett d-Moll „Der Tod und das Mädchen“ in der Streichorchesterfassung von Gustav Mahler sein. Geschrieben hat Schubert das Stück zu einer Zeit, in der er selbst mit seiner Todeskrankheit Syphilis zu kämpfen hatte. Als Vorlage diente ihm ein Gedicht von Matthias Claudius: Ein dramatischer Dialog zwischen einem angstvoll sterbenden Mädchen und dem sie zur Ruhe singenden Tod. Die zum Lied vertonte Lyrik wurde erst 70 Jahre später von Mahler für Streichorchester bearbeitet und 1894 in Hamburg uraufgeführt.

Das Konzert beginnt um 19.30 Uhr. Um 19 Uhr findet ein Einführungsgespräch im Foyer statt. jeb

Karten unter www.nationaltheater-mannheim.de