Veranstaltungen

"Unbändige Neugier" auf die Welt

Archivartikel

Show: Gespräch mit Adam Erdossy, Tour-Captain der Blue Man Group, die vom 3. bis 8. April in Frankfurt spielt

Sie sprechen in der 90 Minuten-Show kein einziges Wort, schauen sich die Welt wie kleine Kinder mit großen Augen an, spucken Marshmallows auf Leinwände, musizieren auf Abflussrohren und trommeln auf Ölfässern, dass ihnen die Farbe nur so um die Ohren fliegt. Längst sind die blauen Männer dem Underground entwachsen und begeistern die Massen rund um den Erdball. Auf ihrer aktuellen Welttournee machen sie in den kommenden Monaten auch in Deutschland Station. Noch bis 17. Dezember erobern sie den Kölner Musical Dome. Nach Stationen in Hamburg und München gastiert die Truppe Anfang April dann in der Alten Oper Frankfurt.

Entstanden ist die Show auf der Straße, als clevere Reaktion auf die zunehmende Technisierung der Welt. Im Jahr 1987 erweckten die Straßenkünstler Matt Goldman, Phil Stanton und Chris Wink die blauen Jungs zum Leben, veranstalteten kleine Auftritte in Parks und Clubs. Nach und nach reiften die Nummern zur abendfüllenden Show. Noch heute, 25 Jahre später, spielt die Blue Man Group im New Yorker Astor Place Theater. Und nicht nur dort: Feste Spielstätten hat die Truppe, die im vergangenen Sommer organisatorisch unter das Dach des kanadischen Cirque Du Soleil geschlüpft ist, in Berlin, Chicago, Las Vegas und Orlando. Außerdem tourt ein Ensemble durch die Welt.

Wie viele blaue Männer gibt's eigentlich auf der Welt? "Das weiß keiner so genau!", schmunzelt Adam Erdossy, der "Blue Man"-Captain der Tourneetruppe, geheimnisvoll beim Blick hinter die Kulissen. Ein "Blue Man"-Charakter sei letztlich auch eine Frage der Gesinnung. Schließlich zeichne einen Blauen Mann die unbändige Neugier auf die Welt, Forschergeist und enorme Begeisterungsfähigkeit aus. Schließlich lüftet Erdossy dann doch das Geheimnis: Etwa 40 bis 50 blaue Männer sind in der Welt unterwegs. Sechs bis sieben sind es pro Show. Und jeder kann jeden Part übernehmen. Damit's nicht langweilig wird, praktizieren die Akteure auch genau dieses.

Hinzu kommen nochmals mindestens vier Instrumentalisten pro Show. Denn 95 Prozent der Musik wird live gespielt. Nicht nur auf dem sechs Meter breiten PVC-Instrument, einem Geflecht aus Abflussrohren, das alle drei Blue Men gleichzeitig bearbeiten. Im Obergeschoss der Bühne agieren zwei Schlagzeuger, ein weiterer spielt eine Zither, deren Sound mit Klangeffekten verstärkt wird. Außerdem klingt ein sogenannter Chapman Stick, eine Art Bassgitarre mit 13 Saiten.

Abseits der Bühne sehen die Spieler eigentlich ganz normal aus und haben auch Haare. Das verschwindet für die Show allerdings unter einer Kunststoffhaube. Das Make-up benötigt gerade mal 45 Minuten. Geschminkt wird mit einer ausgesprochen fetthaltigen Farbe, die während der ganzen Show nicht abtrocknet. So können die blauen Männer ihre Gäste, die sie sich immer wieder aus dem Publikum holen, mit kleinen blauen Strichen im Gesicht liebevoll markieren.

Es sei auch nicht so, dass man mit dem Anlegen der Farbe hinter den Kulissen sofort die Sprache verliere. "Wir sprechen ganz normal miteinander über die bevorstehende Show, oder vielleicht auch, was wir danach noch unternehme", erzählt Barney Felix Haas, der vor fünf Jahren bei der Truppe anheuerte. Erst kurz vor der Show beginnt die Konzentrationsphase, in der die Darsteller dann die Worte verlieren.

Weil die Show ganz ohne Worte auskommt, funktioniert sie weltweit. Ihr Humor sei universell. Allerdings werde in China an ganz anderer Stelle gelacht als beispielsweise in Saudi-Arabien. Frenetisch gefeiert werde die Blue Man Group indessen überall - nach einem Finale, das den Overkill für die Sinne bedeutet: Musik dröhnt aus den Lautsprechern, Papier entrollt in langen Bahnen ins Publikum, dazu springen bunt angeleuchtete Bälle von zwei Metern Durchmesser über die Köpfe der Zuschauer hinweg. Spätestens dann ist das ganze Publikum dem kindlichen Charme der Blue Man Group erlegen.