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Vor verschlossenen Türen

Schauspiel: Selen Kara inszeniert Roman-Adaption „Ellbogen“ am Nationaltheater

Mannheim.Zeitabsitzen in der „berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme“, erfolglos Bewerbungen schreiben, Streit in der Familie, Kiffen mit ihren Freundinnen: Hazal ist 17 Jahre alt, fühlt sich als Fremde in ihrem eigenen Land, sieht keine Perspektiven für ihr Leben, will endlich erwachsen werden.

Der Abend, an dem sie ihren 18. Geburtstag feiert eskaliert auf fatale Weise – Hazal flieht vor der Polizei, nach Istanbul, zu Mehmet, den sie aus dem Internet kennt, der sagt, er liebe sie. In eine Stadt, die ganz anders ist, als sie es sich erträumt hatte ...

Eine rührende Geschichte

In ihrem 2017 erschienen, preisgekrönten Debütroman „Ellbogen“ hat die Journalistin und Schriftstellerin Fatma Aydemir die Geschichte der Hazal erzählt: „Für mich ist das erst einmal die sehr starke, rührende Geschichte einer jungen Frau, die sich nach einem normalen Leben sehnt, die aber immer wieder ausgegrenzt wird, eingeschränkt wird und vor verschlossenen Türen steht“, sagt Regisseurin Selen Kara, die den Roman für die Bühne dramatisiert hat und am Mannheimer Nationaltheater inszeniert.

„Hazal ist eine typische junge Frau, die man von außen betrachtet in eine Schublade stecken würde“, erläutert Regisseurin Kara.

Zugleich ist Hazals eigene innere Welt – die sie als „Hazalia“ beschreibt – „so riesig und so reflektiert, dass ich einfach das Bedürfnis hatte, dem muss man auch den Raum geben und das muss man aufsplitten: Wie sie ihre Eltern beobachtet, wie sie ihre eigene Welt beobachtet, ihren Freundeskreis, ihr eigenes Leben.“ Daher rührt auch die Idee, die Figur auf drei Spielerinnen zu verteilen.

Eine davon von ist die Schauspielerin Almila Bagriacik, bekannt auch als Kommissarin Mila Sahin aus dem Kieler „Tatort“. Kara, deren erfolgreiche „Istanbul“-Inszenierung seit Oktober 2018 am NTM läuft, hatte mit Bagriacik schon bei den am Schauspielhaus Bochum uraufgeführten Stück von „Träum weiter“ zusammengearbeitet. Weiterhin wird Nazal von den Ensemblemitgliedern Tala Al-Deen und Vassilissa Reznikoff verkörpert, die daneben, ebenso wie Nicolas Fethi Türksever, in mehreren Rollen zu sehen sein werden.

Termine und Karten: Die Bühne zur Premiere „Ellbogen“ richtet Lydia Merkel ein, die Kostüme macht Emir Medic, die Musik komponiert Torsten Kindermann, Ehemann der Regisseurin Selen Kara. Dramaturgin ist Kerstin Grübmeyer, Video: Stephan Komitsch. Die Premiere findet am Samstag, 18. Januar, 19.30 Uhr, im Schauspielhaus des Nationaltheaters statt. Karten: 0621/16 80 150. mav

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