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Warten auf den Hoffnungsträger

Musiktheater: In Heidelberg feiert Giacomo Puccinis Oper „Madama Butterfly“ Premiere – Adriana Altaras inszeniert

Heidelberg.Es scheint ein einfaches Tauschgeschäft: Er bietet ihr einen Ausweg aus dem ärmlichen Leben im besetzten Japan, sie mimt für ihn die Geisha, porzellangleich und anmutig, eine Trophäe aus dem Land des Lächelns. Dann wird Pinkerton mit den US-Besatzungskräften heimbeordert. Drei Jahre voller Sehnsucht und Hoffnung für Cio-Cio-San, genannt „Madama Butterfly“, die mit der Begegnung seiner neuen US-amerikanischen Gattin in einer tödlichen Tragödie enden.

So geht die Geschichte in Puccinis wohl berühmteste, Oper. Doch die Uraufführung des Werks in der Mailänder Scala war 1904 alles andere als ein Erfolg, und Puccini begann sofort mit der Überarbeitung: Der zweite Akt wurde geteilt, aus zweien wurden drei, und der Charakter des Pinkerton entschärft. Puccinis Oper basiert auf der Erzählung „Madame Butterfly“ von John Luther Long (1898) und der „Tragödie Madame Butterfly. A Tragedy of Japan“ (1900) von David Belasco.

Bei der Neuinszenierung des bekannten Klassikers führt in Heidelberg erstmals die kroatische Regisseurin, Schauspielerin und Autorin Adriana Altaras Regie. An der Berliner Hochschule der Künste studierte sie Schauspiel. 1984 war Altaras Mitbegründerin des Berliner Off-Theaters „Zum Westlichen Stadthirschen“. Im März 2011 erschien ihr erstes Buch „Titos Brille“, drei weitere folgten. Als Autorin ist Altaras besonders an der Psychologie der Figuren und einem Transfer ins Heute interessiert: Zwei Freundinnen wohnen über drei Jahre auf engstem Raum zusammen. Die eine, unglücklich verliebt, wartet auf die Rückkehr ihres amerikanischen Hoffnungsträgers, die andere, realitätsnah und führsorglich, glaubt nicht an ein Wiedersehen.

Bühne und Kostüme stammen von der in Berlin geborenen Yashi, die unter anderem mit Regisseur Robert Wilson arbeitet. 2015 gestaltete sie die Kostüme für die Eröffnungszeremonie der 1. Europäischen Spiele in Baku, ihr Entwurf wurde 2016 für einen Daytime Emmy Award in Los Angeles nominiert. Die musikalische Leitung übernimmt Generalmusikdirektor Elias Grandy. Die Titel- und persönliche Paraderolle singt die bewährte Hye-Sung Na, die treue Suzuki verkörpert Katarina Morfa, und Tenor Chaz’men Williams-Ali den Pinkerton. rcl

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