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Klassik: Die Staatsphilharmonie startet in die Jubiläumsspielzeit mit „Modern Times“

Mannheim.Mit Livemusik zum Stummfilm „City Lights“ von Charlie Chaplin startet die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz in ihre Jubiläumsspielzeit. Es ist gleichzeitig das erste von vier Konzerten der Reihe „Modern Times“, ein Titel, der sich ebenfalls auf Chaplin und dessen gleichnamigen Film bezieht.

Der Klangkörper aus Ludwigshafen wird am 15. Februar kommenden Jahres 100 Jahre alt. 1919 gegründet, ist es 1920 als Landes-Sinfonieorchester für Pfalz und Saarland von Landau aus zu einer ersten Konzertreise durch die Pfalz und das Saarland aufgebrochen. Bis heute spielt die Staatsphilharmonie vor allem als Tour-Orchester.

Die Geschichte der Gründung ist übrigens erstaunlich. Im Schatten des Ersten Weltkriegs (1914 bis 1918) beschließen Landauer Bürger im September 1919, also einen Monat nach Inkrafttreten der Weimarer Reichsverfassung am 14. August, die Gründung eines reisenden Landes-Sinfonieorchesters. Ein optimistisches Signal in wirren Zeiten.

Die Gründungszeit steht auch im Zentrum von „Modern Times“. Die Besetzungen schwanken zwischen Miniatur und Monstrum. Die Bandbreite reicht von Filmmusik über Schlager bis hin zu Sinfonik und Tanz.

Es sei gar keine leichte Aufgabe, sich in der fragilen Gegenwart zurechtzufinden, meint man in Ludwigshafen: Globalisierung und Ungleichheit, Terrorismus und Drohnenkrieg, Insektensterben und Erderwärmung – das seien die Themen, die uns heute beschäftigen.

Aktuelle Lebensrealität

Vor 100 Jahren hätten die Menschen an einem ähnlichen Punkt gestanden: „Technisierung, Motorisierung, Elektrifizierung, Industrialisierung und der Glaube an einen niemals endenden Fortschritt übten Faszination, aber auch Furcht und Schrecken auf die Menschen aus“, so Intendant Beat Fehlmann.

Und ersetze man nun das Wort Technisierung durch Digitalisierung, seien wir „im Jahr 2019 angekommen“. Diesen Bezug will das Orchester mit den Werken von damals herstellen, sie würden dabei „aktuelle Lebensrealität.“

Gleich im ersten Konzert am 6. September mit dem Titel „Sprachlos“ treten die Staatsphilharmoniker im Pfalzbau Ludwigshafen als Filmorchester auf. Für seinen Film „City Lights“ komponierte Chaplin selbst „eine zauberhafte Filmmusik“. Chaplins Tramp und dessen große Liebe, ein blindes Blumenmädchen, blieben zwar stumm. Doch die Musik fange ihre Sprachlosigkeit auf und entwickele mit feinem poetischem Gespür eine große erzählerische Kraft.

Weiter geht die Reihe am 11. September (19:30 Uhr) in der Ludwigshafener Friedenskirche. Michael Francis dirigiert Mahlers Vierte – für Kammerensemble arrangiert von Klaus Simon. Es singt Sopranistin Katharina Ruckgaber.

In „Salto Mortale“ am 15. September geht es im Mannheimer Capitol um die Schlager der goldenen 1920er Jahre. Dabei spielt das sogenannte Schellack-Orchester. Doch das größte Konzert findet am 20. September im Mannheimer Rosengarten statt. Um 19.30 Uhr wird dabei etwa das Riesenwerk „Amériques“ von Edgar Varèse aufgeführt, aber auch Erik Saties „Parade“ oder Strawinskys „Pulcinella“.

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