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Zwei Künstler, ein Stück

Theater: Nationaltheater stellt Choreographen in den Mittelpunkt eines Tanzabends

Mannheim.„Die vier Jahreszeiten/Empty House“ heißt der Tanzabend am Mannheimer Nationaltheater am Freitag, 11. Januar, um 19.30 Uhr. Genau genommen sind es zwei Titel, und genau genommen sind es auch zwei Stücke, zum einen „Die vier Jahreszeiten“ choreographiert von Giuseppe Spota, zum zweiten das „Empty House“ tänzerisch inszeniert von Johan Inger. In der Mitte liegt die Pause.

„Es gibt kein übergeordnetes Thema, sondern es geht um die Choreographen. Jede Choreographie hat ihre eigene Körpersprache, ihre eigene Stimme, ihren eigenen Klang“, erklärt Ina Brütting vom Nationaltheater Mannheim. Und so sind auch die zwei Choreographen dieses Tanzabends von unterschiedlichem Temperament. Der Italiener Spota, seit der Spielzeit 2016/17 Ballettmeister und Choreographischer Assistent in Mannheim, nimmt Vivaldis bekanntes Werk „Die vier Jahreszeiten“, das Loblied auf die Natur, zur Grundlage seiner Kreation – „ein Thema, das aktueller nicht sein könnte“, so Brütting.

Zerstörte Natur

Doch bei Spota geht es nicht nur um die Schönheit der Natur, sondern gerade um das Gegenteil davon: ihre Zerstörung durch den Menschen. Als Symbol für die Verdreckung und Vermüllung der Welt dient das Plastik, das sich in allen vier Bühnenbildern wiederfindet.

Während die meisten Tänzer und Tänzerinnen abwechselnd Natur und Menschen verkörpern, stellt ein Tänzer durchgehend die Natur dar, die sich windet und kämpft. Alle Sätze der vier Violinkonzerte, aus denen Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ bestehen, sind choreographiert, allerdings durch ein Sounddesign verfremdet. „Auch das stellt eine Form der Zerstörung dar“, so Brütting.

Dann, nach 45 Minuten, die Pause und danach der Bruch – „Empty House“, leeres Haus, so sieht es plötzlich auch auf der Bühne aus: nahezu leer. „Empty House ist eine abstrakte Choreographie, bei der die Tanzkörper im Mittelpunkt stehen“, sagt Brütting, die sich freut, den gefragten schwedischen Choreographen Inger in Mannheim als Gast zu haben. Das Thema: „Die Leere in einem selbst, die Orientierungslosigkeit und die Notwendigkeit, sich neu zu finden.“

Wie auf dem Bahnhof

Inger selbst sagt dazu: „Es geht um den Zustand der Einsamkeit, wie man ihn nachts auf großen Bahnhöfen findet, wo sich Menschen zur selben Zeit am selben Ort befinden, ohne sich je zu begegnen.“ So ähnlich muss sein Gemütszustand gewesen sein, als 2009 der berühmte Choreograph Jiri Kylián die Weltklassecompagnie Nederlands Dans Theater verließ und damit seine Tänzer, zu denen auch Inger gehörte, nachhaltig schockierte.

Geigenmusik, in diesem Fall des zeitgenössischen ungarischen Künstlers Félix Lajkó, begleitet die Tänzer und Tänzerinnen während ihres 25-minütigen Aufenthaltes im „Empty House“.

Info: „Die vier Jahreszeiten/ Empty House“ am Nationaltheater. Premiere Freitag, 11. Januar, 19.30 Uhr. Bis April sechs weitere Aufführungen. Tickets 0621/1680 150.