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Zwei Monster und ein Burger

Das Interview: Die Intendantin des Jungen Nationaltheaters Ulrike Stöck über ihr neues Stück

Mannheim.Theater für Kinder wird oft von Erwachsenen gemacht, deren Kindheit schon zu lange zurückliegt, um sich in das Seelenleben der Kinder einzufühlen. Dem wirkt man am Jungen Nationaltheater Mannheim entgegen, indem ein Stück auf die Bühne gebracht wird, an dem Kinder selbst mitgearbeitet haben. „Monsterzottel Monsterburger“ feiert seine Premiere am Freitag, 14. Juni, 16 Uhr im Studio der Alten Feuerwache.

Frau Stöck, das Stück „Monsterzottel Monsterburger“ ist in Zusammenarbeit mit Kindern entstanden. Wie kann man sich das vorstellen?

Ulrike Stöck: Wir haben uns vorgenommen, dass Kinder bei uns nicht nur Zuschauer sein dürfen, sondern auch mit entscheiden sollen. Darum haben wir über die gesamte Spielzeit mit Kindern gearbeitet. Eine Gruppe von 7- bis 9-Jährigen hat sich dazu unser gesamtes Programm angeschaut. Dann haben wir die Kinder gefragt: Wie stellt ihr euch Theater vor? Was aus eurem Leben sollte im Theater vorkommen? So konnten wir viel Material sammeln.

Wie kam es dann zum fertigen Stück?

Stöck: Ich habe mit meinen Kolleginnen aus dem gesammelten Material ein Stück gemacht. Das besteht dann zum einen aus einem Teil, in dem von der Recherche selbst erzählt wird, zum anderen aber auch aus einer kleinen Geschichte, die die Kinder selbst geschrieben haben.

Die Geschichte von Monsterzottel, der sich keinen zweiten Burger leisten kann, mutet ja ein bisschen gesellschaftskritisch an. Geht das überhaupt, schon mit Kindern politisches Theater zu machen?

Stöck: Das geht meiner Meinung nach sogar sehr gut. Das Stück selbst ist auch politisch, weil es Fragen aufwirft wie: Wer entscheidet was im Theater? Welche Stimmen lassen wir im Theater zu? Die Geschichte, die die Kinder selbst geschrieben haben, ist dann aber nicht politisch. Hier geht es wirklich um den Streit zweier Monster um einen Burger.

Das Stück soll sich ja durch Impulse aus dem Publikum immer weiterentwickeln und sich von Vorstellung zu Vorstellung verändern. Wie wird das ablaufen?

Stöck: Wir spielen zuerst den Rechercheteil und die Geschichte der Kinder. Danach wird es eine Interaktionsphase geben, in der wir die Geschichte mit dem Publikum weitererzählen wollen. Das Ergebnis spielen wir dann auch. Dieser Teil verändert sich jedes Mal mit dem Publikum.

Apropos Publikum: Wie sieht Ihre Zielgruppe aus? Haben Sie nur Kinder im Auge oder wollen Sie auch andere Leute dafür begeistern?

Stöck: Es ist natürlich ein Stück für Kinder, es ist ja auch von Kindern gemacht. Ich glaube aber auch, dass Eltern jede Menge Spaß haben können. Gerade am Wochenende haben wir ein sehr gemischtes Publikum aus Eltern, Kindern und Großeltern. Und gerade für Eltern ist interessant zu sehen, was passiert, wenn man Kindern diesen Raum gibt sich zu verwirklichen. Das hat eine ganz eigene Kraft, so dass ich glaube, dass auch für sie ein Unterhaltungswert besteht.

Es steht dieses Jahr der 40. Geburtstag des Jungen Nationaltheaters an. Ist das junge Theater eine Erfolgsgeschichte? Konnten neue Zuschauer gewonnen werden?

Stöck: Ich finde es ist eine absolute Erfolgsgeschichte, an der ich gar keinen großen Anteil habe, weil ich ja erst seit anderthalb Jahren dabei bin. Der Grund dafür ist, dass wir eben kein Publikum rekrutieren wollen, sondern ein eigenes Publikum haben, das wir auch ernst nehmen. Wenn die sich dann später für Theater begeistern, ist das super, aber nicht mein Ziel. Ich mache kein Theater für ein zukünftiges Publikum, sondern für ein anwesendes. Diesen Weg haben so auch meine Vorgängerinnen beschritten.