Vermischtes

Prozess 40-jähriger Lkw-Fahrer gibt Mord an Joggerin in Endingen zu / Urteil Ende Dezember

Angeklagter gesteht: "In mir war Aggression"

Archivartikel

FReiburg.Seit dem Mord an der Joggerin in Endingen bei Freiburg hat Catalin C. zur Tat geschwiegen. Erst beim gestrigen Prozessauftakt bricht er sein Schweigen. Der Familienvater und Berufskraftfahrer aus Rumänien legt vor dem Landgericht Freiburg ein Geständnis ab.

In dem Strafprozess sitzt der 40-Jährige den Eltern, dem Bruder und dem Ehemann der Ermordeten direkt gegenüber. Und äußert sich erstmals zu dem Verbrechen, das Ermittler als besonders grausam bezeichnen. Bei dem Angeklagten, da ist sich der Staatsanwalt sicher, handelt es sich um einen Mehrfachmörder.

Vorgeworfen werden dem Mann Mord und besonders schwere Vergewaltigung. Er soll die Frau vor rund einem Jahr in Endingen in einem kleinen Waldstück in den Weinbergen getötet und vergewaltigt haben. Zudem wird ihm der Mord an einer 20 Jahre alten französischen Austausch-Studentin aus Lyon im Januar 2014 in Kufstein in Österreich zur Last gelegt. Dazu sagt Catalin C. aber nichts. An den beiden Tatorten waren Spuren von ihm gefunden worden.

"Mein Leben in den letzten Jahren war deprimierend", lässt Catalin C. erklären. "Gelebt und gewohnt habe ich im Lastwagen." Der Berufskraftfahrer und Familienvater, dessen Frau und Kinder in Rumänien leben, hielt sich zuletzt allein in der Nähe von Freiburg auf, arbeitete dort bei einer Spedition.

An einem regnerischen Sonntagnachmittag Anfang November 2016, so gesteht er, war er in den Weinbergen des 9000 Einwohner zählenden Ortes Endingen, als die 27 Jahre alte Joggerin seinen Weg kreuzte. Sie war alleine unterwegs. Täter und Opfer kannten sich nicht. Die Leiche wurde erst Tage später gefunden.

Mit Schnapsflasche geschlagen

Vor der Tat habe er Alkohol getrunken, erklärt Catalin C. "Ich bin fassungslos über das, was geschehen ist." Erklären könne er sich die Tat bis heute nicht. "In mir war Aggression, aber kein sexuelles Verlangen." Er habe die Frau mit einer Schnapsflasche geschlagen. Weiter habe er keine Erinnerung.

Die Grausamkeiten listet in der Anklage Oberstaatsanwalt Tomas Orschitt auf. Der Mann habe die wehrlose Frau ein abschüssiges Waldstück hinunter geschleift. Dort habe er sie vergewaltigt und mit mehreren Schlägen getötet. Orschitt will neben einer lebenslangen Haftstrafe eine anschließende Sicherungsverwahrung erreichen.

"Es ist wichtig zu wissen, wer der Täter ist", sagt der Anwalt der Eltern der Ermordeten, Peter Oberholzner. "Bislang war das ein schwarzes Loch. Jetzt hat man ein Gesicht dazu." Dass der Angeklagte Erinnerungslücken habe, glaube er nicht. Ein Urteil will das Gericht Ende Dezember sprechen.