Vermischtes

Urteil Im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach hat das Wiesbadener Landgericht einen 39-Jährigen verurteilt

Angeklagter muss 13 Jahre in Haft

Archivartikel

Wiesbaden.Das Wiesbadener Landgericht hat am Montag 13 Jahre Haft gegen einen Angeklagten im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach verhängt. Außerdem ordnet es die anschließende Unterbringung in der Sicherungsverwahrung an. Patrick F. wird unter anderem wegen über 50 Fällen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs sowie wegen Besitzes, Herstellung und der bandenmäßigen Verbreitung kinderpornografischer Schriften verurteilt.

Die Staatsanwaltschaft hatte ihm in der Anklage 291 Taten zwischen 2014 und 2019 angelastet. Dem Deutschen aus dem Rheingau-Taunus-Kreis war unter anderem vorgeworfen worden, seine Kinder, darunter ein Säugling, sexuell missbraucht und Bilder der Taten in Chatgruppen verschickt zu haben.

Den Worten der Vorsitzenden Richterin Annette Honnef folgt der 39-Jährige ruhig und gelassen. Für die anschließende Urteilsbegründung müssen Journalisten und Zuschauer den Saal verlassen. Schon die Verhandlung zuvor hatte zum Schutz der Opfer unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden.

Sein Mandant sei geschockt über das Urteil, sagte Verteidiger Oliver Baars nach der Urteilsbegründung. Ob er dagegen vorgehen wolle, sei noch nicht sicher. Baars hatte eine Haftstrafe von acht Jahren gefordert. „Mein Mandant hat von Beginn an umfassend mitgearbeitet“, sagte Baars. Patrick F. sei zudem sehr an einer Therapie interessiert.

Die Ermittlungen zu dem Missbrauchskomplex waren nach Durchsuchungen bei einem 43-jährigen Familienvater im nordrhein-westfälischen Bergisch Gladbach im Herbst 2019 ins Rollen gekommen. Polizisten hatten dort riesige Mengen kinderpornografischen Materials gefunden, sie stießen auch auf Kontakte zu anderen Männern.

Der jetzt verurteilte 39-Jährige sei sich in den Chats sehr sicher gewesen nicht entdeckt zu werden und habe teilweise Angaben gemacht, die auf seine Spur geführt hätten, erklärte Benjamin Krause, Oberstaatsanwalt bei der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main.

Ermittler verfolgen noch Spuren

Es sei ein besonders schwerwiegender Fall, so Krause. In den Gruppen und Chats habe es nicht einen Chef oder Administrator gegeben, vielmehr habe jeder Täter ein eigenes Netzwerk gehabt. „Das macht es für uns auch besonders schwierig.“ Noch immer verfolgen Ermittler Spuren in Foren, Gruppenchats und Messenger-Diensten zu Tausenden möglichen Verdächtigen.

Der 43-Jährige aus Bergisch Gladbach war Anfang Oktober zu zwölf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Zudem ordnete das Kölner Landgericht wie auch im Wiesbadener Fall die anschließende Unterbringung des Mannes in der Sicherungsverwahrung an. dpa

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