Vermischtes

Brustkrebs-Bluttest Firma zur Markteinführung äußert sich über Rolle des Uniklinikums Heidelberg

„Auch der Vorstand war eingebunden“

Heidelberg.In Zusammenhang mit der umstrittenen Vorstellung des Heidelberger Brustkrebs-Bluttests im Februar hat sich das Unternehmen Heiscreen am Dienstag erstmals ausführlich geäußert. In einer Stellungnahme auf seiner Internetseite wies das Biotech-Start-up-Unternehmen Vorwürfe der Uniklinikums-Spitze zurück, wonach es allein für die PR-Kampagne verantwortlich sei. Auf Anfrage dieser Zeitung räumte das Uniklinikum ein: „Die Antworten, welche die Heiscreen GmbH (...) veröffentlicht hat, sind korrekt, wenn auch aus Sicht des Uniklinikums Heidelberg unvollständig.“ In die strategische Gesamtkonzeption sei weder Vorstand noch Pressestelle eingebunden gewesen. Hier ein Überblick über die von Heiscreen angesprochenen Punkte:

Zusammenarbeit mit Klinikum

Die Präsentation des Bluttests, die am 21. Februar zeitgleich auf einem Kongress, bei einer Pressekonferenz, durch Pressemitteilungen und ein Interview mit dem Chef der Universitätsfrauenklinik Christof Sohn in der „Bild“-Zeitung erfolgt war, hatte bei Fachgesellschaften scharfe Kritik hervorgerufen. Es wurde unter anderem bemängelt, dass Frauen verfrüht Hoffnung gemacht worden sei. Heiscreen teilt nun zur PR-Kampagne mit: „Der Text der gemeinsamen Pressemitteilung sowie die Gestaltung der Q&A’s (Fragen und Antworten, Anm. der Redaktion) für die Website der Heiscreen GmbH wurden zwischen der Heiscreen GmbH und dem Universitätsklinikum Heidelberg im Detail abgestimmt.“ Etwas weiter heißt es: „Auf Seiten des Universitätsklinikums Heidelberg war neben der Pressestelle auch der Vorstand eingebunden.“ Die Vorstandsvorsitzende des Uniklinikums Annette Grüters-Kieslich hatte Ende April in einem Interview mit der „Rhein-Neckar-Zeitung“ gesagt, die Öffentlichkeitsarbeit habe ausschließlich bei Heiscreen gelegen, und kritisiert: „Wir wurden sehr bewusst im Unklaren gelassen.“

Weiter schreibt Heiscreen: „Der Presseverteiler für die Pressemitteilung (wurde) mit der Pressestelle des Universitätsklinikums Heidelberg abgestimmt.“ Grüters-Kieslich hatte in der „Rhein-Neckar-Zeitung“ noch gesagt: „Dass alle möglichen Medien angeschrieben wurden, wussten wir definitiv nicht. Und wir konnten es auch nicht wissen.“

Auch zum Interview mit der „Bild“-Zeitung gibt es widersprüchliche Angaben. Heiscreen erklärt: „Der Entwurf des Interviews (...) lag dem Vorstand und der Presseabteilung des Universitätsklinikums Heidelberg mehr als zwei Wochen vor der Veröffentlichung vor.“ Grüters-Kieslich hatte der „Rhein-Neckar-Zeitung“ gesagt: „Wenige Stunden bzw. Tage vor der Pressekonferenz habe ich den Text des bereits erfolgten Bild-Interviews – ohne Schlagzeile und Foto – lesen können.“

Verbindungen nach China

Die Heiscreen GmbH betont in ihrer Stellungnahme, dass keinerlei rechtliche oder organisatorische Verbindung zwischen Heiscreen und Hei-screen NKY (siehe Kasten) besteht. Allerdings sind sowohl das Tochterunternehmen Technology Transfer Heidelberg (TTH) als auch die Projektleiter Christof Sohn und Sarah Schott an beiden Firmen beteiligt. Heiscreen schreibt zudem, dass das Unternehmen keine Hinweise hat, „die den Vorwurf des Insiderhandels bzw. der Marktmanipulation stützen würden“.

Hintergrund sind Ermittlungen der Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Mannheim. Im Raum steht der Verdacht auf Insiderhandel mit Aktien. Denn kurz vor der Präsentation des Tests stieg laut „Süddeutscher Zeitung“ der Kurs der NKY Medical, der Firma, die den Test in China auf den Markt bringen will (siehe Kasten). Sollte jemand interne Informationen genutzt haben, um Aktien zu kaufen, wäre das illegal.

Zukunft des Tests

Das Start-up hält laut seiner Mitteilung an dem Projekt fest. Konkret heißt es dazu: „Die deutsche Heiscreen GmbH ist nach wie vor bestrebt, den Bluttest verfügbar zu machen.“ Derzeit werde „mit Hochdruck“ an der Veröffentlichung der Forschungsergebnisse gearbeitet. Mehrere Fachgesellschaften hatten nach der Präsentation moniert, dass der Test in keinem Fachmagazin vorgestellt worden war.

Molekularbiologin Rongxi Yang sieht dies skeptisch. Die Krebsforscherin hatte das Projekt im Rahmen eines sogenannten Exist-Gründer-stipendiums des Bundeswirtschaftsministeriums geleitet, aber die Uniklinik 2017 nach Konflikten verlassen. Eigenen Angaben zufolge wurde sie aus dem Projekt gedrängt, auch mehrere ihrer Teamkollegen verließen das Klinikum. E-Mails und Aussagen, die dies bestätigen, liegen dieser Zeitung vor. „Ich denke, für Heidelberg ist das Projekt sehr wahrscheinlich tot“, sagte Yang am Sonntag dieser Zeitung. „Das Wichtigste ist das Team“, ergänzte sie. Das aber hätten diejenigen, die das Projekt übernommen hätten, nicht verstanden. Nun seien das Team und damit auch das Know-how weg.

Auch Barbara Burwinkel, Leiterin der Molekularbiologie des Mammakarzinom (Brustkrebs), aus deren Forschergruppe die wissenschaftlichen Grundlagen für diesen Test stammen und die bis 2017 Yangs Mentorin war, sorgt sich um die Qualität des Tests. „Ich befürchte, dass er gegebenenfalls nicht so gut ist, wie er sein könnte, und auf der anderen Seite zu früh ohne die notwendigen Studien auf den Markt gebracht werden könnte“, sagte sie dieser Zeitung. Den Personen, die das Projekt nun leiteten, fehle es an Erfahrung. Ihre Befürchtungen hat sie auch an den Aufsichtsrat weitergeleitet und weitere Studien angemahnt. Burwinkel hatte, unter anderem in einer wissenschaftlichen Publikation, darauf hingewiesen, dass noch Studien nötig seien, bevor solche Marker in der Praxis eingesetzt werden könnten.

Zum Thema