Vermischtes

Wissenschaft Deutscher Zukunftspreis wird am 27. November in Berlin verliehen

Auch Heidelberger Forscher nominiert

München/Heidelberg.Mit gutem Gewissen schlafen – auf einer Matratze, für deren Herstellung das Klimagas Kohlendioxid verwendet wurde. Die Nutzung von Kohlendioxid als Rohstoff ist eine von drei Innovationen, die für den Deutschen Zukunftspreis nominiert sind. Gut zweieinhalb Monate vor der Vergabe haben die drei nominierten Forscherteams in München ihre Projekte vorgestellt. Neben der CO2-Nutzung geht es um eine datenbasiert optimierte Gestaltung von Abläufen in Unternehmen sowie um eine bessere Diagnostik bei schweren Erkrankungen über extrem hochaufgelöste Kernspin-Bilder.

Präzise Bilder aus dem Gehirn

Mit dem Recycling von Kohlendioxid, das in Massen ausgestoßen zum Klimawandel beiträgt, haben sich Forscher der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, des Max-Planck-Instituts für chemische Energiekonversion und des aus dem Bayer-Konzern ausgegründeten Werkstoffherstellers Covestro befasst. „Früher haben wir CO2 als unschönen Abfallstoff abgetan, jetzt sehen wir es zunehmend als Ressource“, sagte der Teamsprecher und Chemiker Christoph Gürtler.

Schon jetzt könnten in einer Anlage in Dormagen theoretisch die Materialien für jährlich 500 000 „grüne“ Matratzen hergestellt werden. Es gehe auch um synthetische Fasern: Socken, T-Shirts und Sportwäsche könnten künftig unter Verwendung von CO2 hergestellt werden. Langfristig könnten auch Kühlschränke oder sogar Gebäude mit dem Material gedämmt werden. Auf diese Weise könnten Hunderttausende Tonnen CO2 verwertet werden.

Um einen Meilenstein geht es auch bei einem Magnetresonanztomographen, den Forscher des Universitätsklinikums Erlangen, der Siemens Healthineers AG und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg entwickelt haben. Sie konstruierten ein für die klinische Nutzung geeignetes Gerät, das mit einer Feldstärke von sieben Tesla präzise Bilder liefert.

Damit lassen sich etwa im Gehirn Strukturen erkennen, die sonst erst bei einer Öffnung des Schädels zu sehen sind. „Damit kann die Diagnose zuverlässiger und früher gestellt werden“, so Teamsprecherin Christina Triantafyllou. Feine krankhafte Veränderungen bei Demenz, Epilepsie und Multipler Sklerose seien frühzeitig feststellbar. Das ermögliche einen raschen Therapiebeginn, sagte Teammitglied Arnd Dörfler. Das Hochleistungs-MRT erleichtere auch die Nachsorge von Krebspatienten. Bisher dauert es oft lange, bis über MRT ein Erfolg oder Misserfolg einer Therapie sichtbar wird. Bisherige Geräte im Klinikalltag kommen auf 1,5 oder maximal auf drei Tesla.

Erstmals ist eine softwarebasierte Innovation für den Zukunftspreis nominiert. Ein Team aus München widmet sich dem Process Mining, einer Methode des Prozessmanagements, die Abläufe auf Basis digitaler Spuren überprüft und über Algorithmen ineffiziente Prozesse entlarvt. Das zeigt Einsparpotenziale, bringt mehr Kundenzufriedenheit – und erhöht den Profit.

Mit 250 000 Euro dotiert

„Traditionell hat man sich hierfür Unternehmensberater ins Haus geholt, die Interviews mit den Mitarbeitern geführt und sich etwa ein Bild davon gemacht haben, wie lange ein Prozess dauert. Wir können das heute mit intelligenten Algorithmen lösen“, sagte der Mathematiker und Teamsprecher Alexander Rinke, der mit zwei Mitstudenten das Unternehmen Celonis mit inzwischen rund 650 Kunden weltweit gründete.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verleiht den Preis am 27. November in Berlin. Welches der Teams die Auszeichnung bekommt, bleibt bis zuletzt geheim. Der Deutsche Zukunftspreis ist mit 250 000 Euro dotiert und gehört zu den bedeutendsten Wissenschaftspreisen in Deutschland. Schon die Nominierung gilt als hohe Auszeichnung. dpa

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