Vermischtes

Insolvenz Anhörung in London ohne den früheren Tennis-Star / Verfahren verlängert

Becker verzichtet auf Diplomatenstatus

London.Boris Becker erschien nicht persönlich vor Gericht. „Ordnungsgemäß geladen“ war er ohnehin nicht, hieß es von seinem Anwalt. Vielleicht wollte der gebürtige Leimener und ehemalige Tennis-Star mit seiner Abwesenheit aber auch weiteren Spott in einem wirtschaftlich wie privat schweren Jahr vermeiden, in dem er sich zur allgemeinen Überraschung als Diplomat der Zentralafrikanischen Republik vorstellte.

Becker verbrachte den gestrigen Tag offenbar lieber mit seinem 24-jährigen Sohn, anstatt den Termin im gegen ihn laufenden Insolvenzverfahren im grauen London wahrzunehmen. Jedenfalls veröffentlichte er ein Bild von sich und Noah Becker auf Twitter. Beide lachen, wirken gelöst.

Kurz zuvor wurde bei der Anhörung in der britischen Metropole bekannt, dass Becker nun doch keine diplomatische Immunität geltend machen wolle. Das bedeutet, dass das Insolvenzverfahren des 51-Jährigen auf unbestimmte Zeit verlängert wurde.

Im vergangenen Jahr hatte ein britisches Gericht Becker für zahlungsunfähig erklärt. Der dreimalige Wimbledon-Sieger hatte dagegengehalten, die Entscheidung sei „ungerechtfertigt“. Eigenen Angaben zufolge belaufen sich seine Schulden auf 3,9 Millionen Euro. Der Hauptgläubiger, eine in London ansässige Privatbank, fordere aber mehr als doppelt so viel. Im April dann stellte die Tennis-Ikone den Antrag auf diplomatische Immunität. Becker als Diplomat?

Bizarre Wendungen

Er sei zum Attaché für Sport, Kultur und humanitäre Angelegenheiten der Zentralafrikanischen Republik ernannt worden, so der Ex-Sportler. Und erntete dafür reichlich Häme, insbesondere weil er meinte, die „verantwortungsvolle Aufgabe“ habe mit seiner schwierigen Situation nichts zu tun. Die Geschichte wurde noch bizarrer, als sich hochrangige Politiker der Republik uneins zeigten über den Status von Becker. Während die Botschaft Zentralafrikas in Brüssel zunächst erklärt hatte, der Deutsche sei vom Präsidenten in den diplomatischen Dienst berufen worden, bestritt dies der Außenminister Charles Armel Doubane. Dessen Büroleiter bezeichnete Beckers angeblichen Diplomatenpass sogar als „Fälschung“.

Im Sommer schlug der Deutsche zurück und bestand auf dessen Echtheit. Es habe sich um eine „offizielle Ernennung“ gehandelt. ,,Ich habe diesen Pass vom Botschafter erhalten, ich habe mit dem Präsidenten bei vielen Gelegenheiten gesprochen“, sagte er.

Enttäuschte Ehefrau

Zu all den Krisen kam nach 13 Ehejahren die Trennung von seiner Frau Lilly, die erst am Wochenende vor laufender Kamera nachtrat und sich „maßlos enttäuscht“ präsentierte. Neben der anstehenden Scheidung dürfte ihm aber vor allem eine Sache Sorge bereiten. Die Insolvenzverwalter machen Druck und wollen einen Teil von Beckers Trophäen und persönlichen Erinnerungsstücke zwangsversteigern. Ein gekränkter Boris Becker konnte die geplante Auktion vor gut fünf Monaten in letzter Minute verhindern. Zwar wäre Becker nicht Becker ohne Überraschungen und unerwartete Wendungen, doch angeblich hat er seinen Widerstand aufgegeben.

Damit könnten die mehr als 80 Objekte unter den Hammer kommen, die die schillernde Karriere des Ausnahme-Sportlers nachzeichnen – darunter eine Replik des US-Open-Pokals aus dem Jahr 1989, als der Tennis-Profi im Finale Ivan Lendl geschlagen hatte.