Vermischtes

#MeToo Vor einem Jahr trat ein Artikel über sexuelle Belästigung die Debatte los / Erste Prominente wagen sich wieder ins Rampenlicht

Beschuldigte wollen zurück auf die Bühne

New York.Neun Monate zog sich Louis C.K. zurück, dann kam er wieder ins Rampenlicht. Ohne Ankündigung trat der Komiker im August im New Yorker Comedy Cellar auf, nachdem er zugegeben hatte, mehrere Frauen sexuell belästigt zu haben. Der kurze Auftritt löste in eine Debatte aus: Das Comeback sei zu früh, C.K. habe keine Reue gezeigt, kritisierten Kommentatoren. „Ich habe meine lange und glückliche Karriere mit Sprechen verbracht und damit, alles zu sagen, was ich sagen will“, hatte C.K. damals erklärt. „Ich werde jetzt einen Schritt zurücktreten und eine lange Zeit lang zuhören.“ Aber sind neun Monate wirklich eine lange Zeit, fragten viele seiner Kritiker.

Welle an Vorwürfen

Heute vor einem Jahr veröffentlichte die „New York Times“ den ersten Artikel zu Anschuldigungen sexueller Belästigung mehrerer Frauen gegen Hollywood-Mogul Harvey Weinstein. Die Berichterstattung trat eine weltweite Welle von Anschuldigungen los und kostete viele mächtige Männer – und Frauen – den Job. Unter dem Motto #MeToo veröffentlichten unzählige Menschen ihre Erlebnisse.

Noch immer hält diese Entwicklung an. Kürzlich trat Les Moonves nach Vorwürfen sexueller Belästigung als Vorstandschef des US-Medienunternehmens CBS ab. Gleichzeitig taucht die Frage auf: Kann es für jemanden, der einmal in einen #MeToo-Skandal verwickelt war, eine zweite Chance in der Öffentlichkeit geben?

Entscheidend für eine Rückkehr ist, wie schwer die Schuld im jeweiligen Fall wiegt. Ein Comeback von Hollywood-Mogul Weinstein, der wegen sechs Sexualdelikten angeklagt ist, kann sich derzeit wohl niemand vorstellen. Voraussetzung für ein gesellschaftlich breit anerkanntes Comeback bei weniger schweren Fällen seien neben einer Entschuldigung auch erkennbare Reue und eine längere Wartezeit, immer in Zusammenarbeit mit den Opfern, schrieb die Autorin Roxane Gay in der „New York Times“. Wie lange also beispielsweise jemand wie Comedian Louis C.K. warten müsse? „Mindestens so lange, wie er daran gearbeitet hat, die Frauen, die er angegriffen hat, ruhig zu stellen.“ dpa

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