Vermischtes

Infektionen Auch Deutsche müssen regelmäßig Auflagen erfüllen / Berühmter Arzt gestorben

Bespitzelung und Angst: Virus bremst China aus

Peking.Franz Herz sitzt in seiner Wohnung und wartet, dass die Zeit der Quarantäne vorübergeht. Er ist nicht krank, aber er ist nach dem 30. Januar in Peking eingereist. Herz, der Lehrer an der Deutschen Auslandsschule in der chinesischen Hauptstadt ist, hatte ein paar Ferientage in Vietnam verbracht. Als er Anfang Februar zurückkam, war Peking, wo es sonst auf den Bürgersteigen, in den Geschäften und Parks nur so vor Menschen wimmelt, leer. „Es ist fast schon unheimlich“, sagt Herz. Jeden Morgen muss er sich nun bei seiner Hausverwaltung melden und angeben, ob er Fieber hat. „Wer nach dem 30. Januar zurückgekommen ist, muss 14 Tage zu Hause bleiben. Man kann zwar einkaufen oder spazieren gehen, sollte es aber unterlassen.“

Doch auch diejenigen, die davon nicht betroffen sind, verlassen ihre Wohnungen kaum. „Alle Veranstaltungen in Peking, ja wohl im ganzen Land sind derzeit abgesagt, auch die Messen und sogar zum Teil die Hochzeiten. Begräbnisse dürfen nur im allerengsten Familienkreis stattfinden. Beim Kauf von Bahntickets muss man seine Telefonnummer angeben, um im Fall einer Nachsuche auffindbar zu sein“, erzählt Herz. Leben findet nur noch in den eigenen vier Wänden statt. Auch die Schulen bleiben geschlossen, zunächst hieß es, bis zum 17. Februar, nun bis auf unbestimmte Zeit. Die Lehrer sind angewiesen, den Kindern den Stoff per E-Mail zukommen zu lassen. „Ich bin also beschäftigt, kann lesen und etwas länger schlafen“, nimmt Herz die Situation mit Gelassenheit. „Vieles, was an Maßnahmen in China ergriffen wird, scheint aber doch reiner Aktionismus zu sein, der ins Leere geht.“

Prämie fürs Anschwärzen

Die unabhängige Internetzeitung „Hong Kong Free Press“ berichtet, dass in mehreren Millionenstädten in der Provinz Zhejiang die Bewohner über Lautsprecher angewiesen werden, zu Hause zu bleiben, Masken zu tragen und sich regelmäßig die Hände zu waschen. In Zhumadian darf pro Haushalt nur eine Person alle fünf Tage die Wohnung verlassen, um Erledigungen zu machen. Außerdem werden Bargeldprämien ausgelobt für Meldungen über Personen, die aus Hubei, der Coronavirus-Hochburg, die Stadt betreten. Auch Dörfer und Apartmentanlagen errichten Barrikaden, um Außenstehende abzufangen.

Zur besonders gemiedenen Berufsgruppe gehören derzeit die Zustelldienste, weil diese mit vielen Menschen in Kontakt kommen und sich potenziell leicht anstecken könnten. Die Hongkonger, die vor 17 Jahren bei der Sars-Pandemie besonders stark betroffen waren, verfallen derweil in Panikkäufe, begehrt sind Toilettenpapier, Küchenrollen, Nudeln, Reis. Weltweit steigt unterdessen die anti-chinesische Stimmung. In Schlagzeilen ist vom „Gelben Alarm“ die Rede.

Der Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung in China, aber auch andere Länder, die von der chinesischen Zuliefererindustrie abhängen, ist bislang noch nicht absehbar. In manchen Regionen und Metropolen wie Peking und Shanghai gilt auch in der nächsten Woche weiter: Homeoffice. Bei Autobauern wie BMW und VW stehen die Bänder still. Experten fürchten, dass die Wirtschaft in China um mindestens zwei Prozent einbrechen könnte.

Ausgerechnet derjenige, der vor all dem gewarnt hat, der Arzt Li Wenliang aus Wuhan, ist nun wohl selbst Opfer des Coronavirus geworden. Der 34-jährige Mediziner hatte Ende Dezember befreundete Kollegen auf eine Häufung von Fällen einer mysteriösen Lungenkrankheit aufmerksam gemacht und war daraufhin von der Polizei wegen Verbreitung von Gerüchten einbestellt worden. Laut „New York Times“ starb er am Donnerstag in einem Krankenhaus an den Folgen der Infektion.

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