Vermischtes

Unfall Junge deutsche Skitouristen sterben in Südtirol / Verursacher hatte mehr als 1,9 Promille im Blut

Betrunkener Fahrer zerstört Urlaubsidylle

Archivartikel

Luttach.Der kleine Wintersportort Luttach in den Südtiroler Alpen steht unter Schock: Rosen und Friedhofslichter erinnern an eine Katastrophe, wie sie die Leute hier nach den Worten des Bürgermeisters bisher noch niemals erlebt hat. Einheimische und Urlauber kommen zur Unglücksstelle. Hier war in der Nacht ein Autofahrer mit so hohem Tempo in eine Gruppe deutscher Urlauber gerast, dass die jungen Menschen durch die Luft schleuderten. Sechs junge Menschen sterben. „Wer trinkt, fährt nicht“, steht auf einem Schild auf der Straße, die zu dem Urlaubsort führt.

Es ist besonders bitter. Der 27 Jahre alter Einheimischer hatte laut Polizei mehr als 1,9 Promille Alkohol im Blut, als er mitten in der Nacht in die Gruppe fuhr. Es war kurz nach 1 Uhr nachts, als der Notruf einging und sich den Rettern ein fürchterliches Bild bot. Drei Männer und drei Frauen zwischen 20 und 25 Jahren waren sofort tot. Die meisten Toten kommen aus Nordrhein-Westfalen, zwei von ihnen wohnten in Wuppertal, einer in Köln und einer in Dortmund. Ein Todesopfer lebte in Niedersachsen, ein weiteres in Hamburg. Elf weitere Menschen seien verletzt worden. Vier von ihnen hätten schwerste Verletzungen erlitten, ein Mensch kämpfte ums Überleben.

Der Unfallverursacher sei im Krankenhaus, laut Polizei steht er unter Schock und wird psychologisch betreut. Er habe gesagt, sich umbringen zu wollen, als er von der hohen Zahl der Toten erfahren habe, berichteten Medien in Italien.

Bei Jugendgruppen beliebt

Die Menschen in Luttach halten an der Unfallstelle inne, ein Augenzeuge stellt eine Kerze auf. Er ist der Busfahrer, der die jungen Leute von einer Disco zurück zu ihrer Unterkunft gefahren hat. Er habe am Straßenrand gehalten, um die Skiurlauber aussteigen zu lassen, als der Fahrer herangerast sei. Er habe noch versucht, ihn zu warnen und mit dem Licht aufgeblendet. „Da habe ich schon die Leute über die Straße fliegen sehen.“

Ein junger Mann kommt zu dem Busfahrer hinzu, er war in der Nacht als Ersthelfer vor Ort, wie er erzählt. Als er die Unglücksstelle erreichte, seien überall Leute auf der Straße gelegen. Es sei chaotisch gewesen. „Wie auf einem Schlachtfeld.“ Die Unterkunft der Skiurlauber liegt nur ein paar Schritte entfernt auf der anderen Straßenseite. Hier werden die Überlebenden nach dem Unglück von der Feuerwehr abgeschirmt. „Wir, Familie Hofer, Ferienhaus Bruggerhof, sprechen unseren lieben Gästen und deren Angehörigen unser tief empfundenes Beileid und Mitgefühl aus“, steht auf einem Zettel, der an einen Zaun gepinnt wurde. Noch am Sonntag wollen die Überlebenden abreisen.

Mit Dutzenden anderen jungen Leuten waren sie nach Südtirol gekommen. Luttach ist bei Schüler- und Jugendgruppen beliebt, ein Ort mit rund 1100 Einwohnern in den Alpen, der vom Tourismus lebt. Zum Skigebiet sind es nur wenige Minuten. Feiern kann man auch. Zum Beispiel im „Hexenkessel“, einem Pub, in dem die Gruppe kurz vor dem Unfall war.

Die Nacht-Shuttlebusse wurden auch deshalb organisiert, damit junge Feiernde nicht betrunken im Auto sitzen und ihr eigenes Leben und das anderer riskieren. Im Ort gab es auch schon zuvor Unmut über die Raser, die auf der Hauptstraße unterwegs seien. Eine Frau sagt, man habe immer wieder auf mehr Kontrollen gedrungen. „Das neue Jahr beginnt mit dieser schrecklichen Tragödie“, sagt der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher am Sonntag. „Wir sind alle geschockt.“ dpa

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