Vermischtes

Nachruf Bestsellerautorin Rosamunde Pilcher an Folgen eines Schlaganfalls gestorben

Botschafterin des Herzschmerzes

London.Wenn deutsche Touristen auf den Spuren der Romantik durch Cornwall reisen, müssen sie nicht lange suchen. Die üppigen Gärten, dramatischen Küsten und prächtigen Herrenhäuser, die sie sonst jeden Sonntagabend vom heimischen Sofa aus im Fernsehen bewundern, eröffnen sich tatsächlich in der Gegend wie im Bilderbuch. Erstaunen lösen die deutschen Touristen nur regelmäßig aus, wenn sie Briten auf Rosamunde Pilcher ansprechen – jene Autorin, die ihre Herzschmerz-Geschichten vor die Kulisse der wilden Natur Cornwalls setzte. „Rosamunde wer?“, lautet die Antwort oft.

Mit mehr als 60 Millionen verkauften Büchern gehörte die Autorin zwar zu den erfolgreichsten Schriftstellerinnen der Gegenwart. Doch anders als im deutschsprachigen Raum, wo vor allem die Verfilmungen ihrer literarischen Vorlagen für das ZDF Pilcher berühmt gemacht haben, war sie im Vereinigten Königreich weniger bekannt. Nun ist die Grande Dame der Liebesschnulze im Alter von 94 Jahren gestorben, wie ihr Sohn Robin Pilcher gestern dem „Guardian“ mitteilte. Noch bis Weihnachten sei sie in ausgezeichneter Form gewesen, im neuen Jahr aber habe sie eine Bronchitis bekommen und am Sonntagabend dann einen Schlaganfall erlitten. Seitdem habe sie das Bewusstsein nicht wiedererlangt, sagte er.

Rosamunde Pilcher wollte ihre Leser während der Lektüre der Erzählungen in den Urlaub entführen und gab ihnen passenderweise Titel wie „Sommer am Meer“, „Das Haus an der Küste“ oder „Englischer Wein“. Das kam bei den deutschen Zuschauern an: Durchschnittlich rund sieben Millionen Menschen hängen sonntagabends vor dem Bildschirm der Sehnsucht nach Idylle nach. Und obwohl bereits vor Jahren längst alle Romane verfilmt waren, fanden die Produzenten weiteren Stoff in Pilchers Kurzgeschichten, die sie nach eigenen Angaben am Küchentisch verfasst hat. „Ich hätte mir nie vorstellen können, dass das ein Erfolg würde“, sagte die Autorin einmal.

„Gesicht romantischer Fiktion“

Pilcher wurde 1924 als Tochter eines Marineoffiziers in Lelant (Cornwall) geboren und schloss sich nach ihrem Schulabschluss während des Zweiten Weltkriegs dem Women’s Royal Naval Service, dem Königlichen Marinedienst der Frauen, an. Schon damals schrieb die Britin, die bis 1946 als Sekretärin im Außenministerium arbeitete, Kurzgeschichten. Dann heiratete sie ihren Mann Graham, mit dem sie vier Kinder bekam, und zog nach Longforgan bei Dundee in Schottland, wo sie bis zuletzt lebte. Im Juni 2012 gab sie bekannt, im Alter von 87 Jahren, mit dem Schreiben aufzuhören.

Ihren kommerziellen Erfolg feierte sie mit ihren Erzählungen erst vergleichsweise spät: 1987 schaffte sie mit dem Roman „Die Muschelsucher“ den Durchbruch. „Damit veränderte sie das Gesicht romantischer Fiktion“, sagt die britische Bestseller-Autorin Katie Fforde.

Dass die Erzählungen über attraktive, begüterte und adlige Menschen in Cornwall spielen, hat die Grafschaft zu einem Touristenmekka werden lassen. Reisebusse wälzen sich vor allem im Sommer auf engen Landstraßen durch Wiesen und Felder. „Dass Cornwall die Kulisse für die Filme stellt, ist das beste Marketing, das wir kriegen können“, sagte Malcolm Bell, Chef des Fremdenverkehrsamts Visit Cornwall. Die Hälfte der ausländischen Gäste in der strukturschwachen Gegend seien deutschsprachig.

Rosamunde Pilcher hat die englische Traumwelt nach Deutschland gebracht.

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