Vermischtes

Urteil „Sonny Black“ enthält „hemmungslose Gewaltdarstellung“ – und darf deshalb zu Recht nicht an Kinder und Jugendliche verkauft werden

Bushidos Album auch für Richter jugendgefährdend

Archivartikel

Leipzig.Es ist kein gewöhnlicher Tag am Leipziger Bundesverwaltungsgericht. Eine Wachfrau knipst am Mittwoch im Flur mit dem Smartphone Rapper Bushido. Der Richter Thomas Heitz spricht in der dreistündigen Verhandlung in Leipzig von „Bitches“, „Nutten“ und Drogenhandel. Er zitiert Texte aus einem umstrittenen Album des Gangster-Rappers – es ist der Gegenstand der Verhandlung.

Es geht darum, ob die Bundesprüfstelle Bushidos Album „Sonny Black“ 2015 zu Recht als jugendgefährdend eingestuft hatte. Das Bundesverwaltungsgericht stimmt zu: „Die hemmungslose Gewaltdarstellung zieht sich durch die Titel“, erklärt Heitz. Frauen und Homosexuelle würden durch „vulgäre Sprache“ herabgewürdigt.

Es sei schwierig, mit der Rapper-Sprache in einer „komplett anderen Abteilung auf Verständnis zu stoßen“, sagt Bushido nach der Verhandlung. Er sei „abgeschmiert auf ganzer Linie“, er habe sich auch keine großen Hoffnungen gemacht. Er wolle künftig weniger Gründe für Indizierungen liefern, sagt Bushido: „Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass ich nicht frauen- und schwulenfeindlich bin.“

„Das ist ein Witz“

Seit 2015 darf sein Album „Sonny Black“ nicht an Kinder und Jugendliche verkauft werden. Damals landete es auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Die Behörde befand, die Titel verherrlichten Gewalt und einen kriminellen Lebensstil, diffamierten Frauen und Homosexuelle. Der Berliner Rapper klagte gegen den Listeneintrag, das Verwaltungsgericht Köln wies die Klage ab. Im Berufungsverfahren entschied das Oberverwaltungsgericht Münster für Bushido. Daraufhin reichte die Bundesprüfstelle Revision ein.

„Schon in den 1980er Jahren hat die Indizierung nicht funktioniert, heute, im digitalen Zeitalter, ist das ein Witz“, sagt Marc Urlen vom Deutschen Jugendinstitut.

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