Vermischtes

Raumfahrt Sonde „Chang’e 4“ erreicht Erdtrabanten / Kieler Universität schickt Messgeräte ins All

China gelingt Landung auf Mond-Rückseite

Peking.China hat als erstes Land der Welt eine Raumsonde auf die Rückseite des Mondes gebracht. Die unbemannte Sonde „Chang’e 4“ landete gestern Morgen um 3.26 Uhr mitteleuropäischer Zeit am Aitken-Krater in der Nähe vom Südpol des Mondes. Im chinesischen Staatsfernsehen war von einer historischen Landung und einem großen technologischen Durchbruch die Rede. Minuten nach der Landung funkte die Sonde erste Bilder zur Erde, auf denen die Oberfläche des Mondes zu sehen ist.

Die erste sanfte Mondlandung gelang der sowjetischen Sonde „Luna 9“ 1966. 1969 betrat ein US-Astronaut erstmals den Erdtrabanten. China ist nun die erste Nation, die auch auf der von der Erde abgewandten Seite des Mondes gelandet ist. An Bord der „Chang’e 4“ befindet sich ein Roboterfahrzeug, das in einem nächsten Schritt das Terrain um die Landestelle erkunden soll.

Chinesische Experten hatten die Mission im Vorfeld als sehr anspruchsvoll bezeichnet. Als Hürde galt die reibungslose Kommunikation mit der Erde, weil auf der Rückseite des Mondes keine direkte Funkverbindung aufgebaut werden kann. Deshalb brachten die Chinesen bereits im Mai den Übertragungssatelliten „Queqiao“ (Brücke der Elstern) in Position, um Signale aus dem Funkschatten zu senden. Mit einem reibungslosen Ablauf der Mond-Mission soll unter Beweis gestellt werden, dass Chinas ambitioniertes Raumfahrtprogramm große Fortschritte macht.

Geplant sind unter anderem Experimente mit niedrigen Radiofrequenzen. Zudem hat „Chang’e 4“ Saatgut geladen, mit dem geprüft werden soll, ob Gemüseanbau in einer geschlossenen Umgebung bei der niedrigen Schwerkraft der Mondoberfläche möglich ist.

Peking plant eigene Station

Auch die Universität Kiel ist mit einem Projekt an der Mission beteiligt. „Wir wollen mit unserem Lunar Lander Neutron Dosimetry (LND) vor allem die Neutronen-Strahlung erforschen“, sagte Teamleiter Robert Wimmer-Schweingruber. „Denn die Strahlenexposition ist das größte unkontrollierte Risiko für Astronauten-Missionen.“ Die Daten sollen helfen, zukünftige bemannte Mondmissionen vorzubereiten.

Der Generaldirektor der Europäischen Raumfahrtagentur Esa, Jan Wörner, gratulierte den Chinesen. „Ich habe schon in der Vergangenheit immer wieder darauf hingewiesen, dass China ein beeindruckendes Raumfahrtprogramm verfolgt“, sagte Wörner. Das sei durch die Landung der Sonde „Chang’e 4“ eindrucksvoll belegt worden. Dass der Mond durch diese Mission auch wieder stärker in den Fokus rücke, sei aus Gründen der Forschung ebenfalls positiv zu bewerten.

2019 plant China eine weitere unbemannte Landung auf dem Mond, um Gesteinsproben zur Erde zurückzubringen. Bis 2030 soll erstmals ein Chinese einen Fuß auf den Erdtrabanten setzen. Die Mondmissionen sind nur ein Teil des ehrgeizigen Raumfahrtprogramms Chinas, das auch den Bau einer Raumstation um 2022 vorsieht.

Die erfolgreiche Landung der „Chang’e 4“ sei ein „wichtiger Meilenstein“ für die Erforschung des Weltraums, sagte auch Wu Weiren, Chefdesigner des chinesischen Mondforschungsprogramms. Wie die staatliche Nachrichtenagentur berichtete, dauerte die Schlussphase des Landemanövers zwölf Minuten und lief „vollständig automatisch“ ab. Vor der Landung schwebte das Raumschiff demnach für einige Zeit in 100 Metern Höhe und suchte sich mit seinen Sensoren eine geeignete, flache Landestelle.

„Chang’e 4“ war am 8. Dezember von der Erde gestartet und erreichte laut Staatsfernsehen am 12. Dezember die Mond-Umlaufbahn. dpa

Zum Thema