Vermischtes

Geschichte Team der Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen bereitet große Landesausstellung in Mainz vor

Das Machtzentrum der Kaiser

Mannheim/Mainz.Karl der Große und andere Herrscher, die sich als Beauftragte Gottes verstanden haben – so ein kleines, noch so gefährliches Virus kann sie nicht stoppen: „Es bleibt dabei, wir machen das“, bekräftigt Alfred Wieczorek, Generaldirektor der Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen. Er und sein Team arbeiten weiter an der großen Ausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“, die am 8. September im Landesmuseum Mainz eröffnet wird – trotz Coronavirus.

„Wir werden weniger Besucher haben können“, bedauert Wieczorek. Das bedeute zwar weniger Einnahmen, aber das Land Rheinland-Pfalz habe sich bereiterklärt, ein dadurch eventuell entstehendes Defizit zu tragen. Schließlich hatten die Ausstellungsmacher damit kalkuliert, dass die spektakuläre Sonderschau ein Besuchermagnet wird. Doch immerhin sei es gelungen, mit den Leihgebern eine fast sieben Monate lange Laufzeit, bis zum April 2021, zu vereinbaren.

„Herausragende Exponate“ international renommierter Museen, die es in dieser Zusammenstellung noch nie zu sehen gab und auf Jahrzehnte nicht mehr zu sehen sein werden, kündigt die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz an. Dazu zählen die berühmte Heidelberger Liederhandschrift Codex Manesse, das Armreliquiar Karls des Großen aus dem Pariser Louvre und die Mainzer Goldene Bulle, die nach über zwei Jahrhunderten aus Wien an ihren Ursprungsort zurückkehrt. In Heidelberg werden dazu gerade die Katalogtexte geschrieben.

„Goldene Pforte“ untersucht

Dort, in der Villa Poensgen in der Altstadt, sitzt eine einzigartige Forschungseinrichtung. Sie wird von der Universität Heidelberg sowie der Curt-Engelhorn-Stiftung an den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen getragen. Diese gemeinsame „Forschungsstelle Geschichte und kulturelles Erbe“ hat zuletzt etwa die 2017 gezeigte große Ausstellung der Reiss-Engelhorn-Museen über die Päpste erarbeitet.

Nun leitet hier Bernd Schneidmüller, an der Universität Heidelberg Professor für mittelalterliche Geschichte, das Projektteam aus Katharina Bull, Leonie Silberer und Olivia Mayer, das sich seit drei Jahren mit Wieczorek sowie den Mainzer Kollegen mit den deutschen Kaisern befasst. Wegen des Coronavirus gab es zeitweise nur Videokonferenzen, nun treffen sich die Macher wieder – bei stets geöffnetem Fenster.

„Von uns kommen das wissenschaftliche Konzept und viele Inhalte, wir sind wissenschaftlicher Kooperationspartner, stellen sowohl unser Know-how zur Verfügung als auch unsere Expertise in der Kulturvermittlung“, erklärt Wieczorek. „Es ist uns wichtig, die Mainzer Kollegen zu unterstützen“, so der Mannheimer Generaldirektor. Sogar Spezialvitrinen aus den Beständen der Mannheimer Curt-Engelhorn-Stiftung für kostbare Exponate werden in Mainz verwendet.

Schließlich habe die von Thomas Metz geleitete Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz seit Jahrzehnten wichtige Mannheimer Projekte wie die Ausstellungen „Staufer“, „Wittelsbacher“ oder „Päpste“ inhaltlich, mit Leihgaben und Veranstaltungen unterstützt. „Nun können wir uns revanchieren“, so Wieczorek, der wie Metz Ende 2020 in den Ruhestand gehen wird.

Ebenso einbezogen ist das Mannheimer Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie, spezialisiert auf Materialanalyse zur Überprüfung von Echtheit und Alter von Exponaten. Es untersucht derzeit die einzige aus Bronze gegossene Tür der Römerzeit in Mitteleuropa, die lange in einem Depot in Wiesbaden lagerte und zur Ausstellung nach Mainz zurückkehrt. Sie galt als „Goldene Pforte“ vom Kloster St. Alban im Süden der Stadt, wo die vierte Frau von Kaiser Karl dem Großen bestattet ist und das er zu einem Zentrum des fränkischen Reichs gemacht hat.

Auch wenn sich das unter seiner von 768 bis 814 dauernden Herrschaft von Italien und der Bretagne bis Dänemark erstreckte – „unsere Region am Rhein war ganz bedeutsam für seine Herrschaft“, so Wieczorek. Der Raum von Mainz bis Speyer sei das politische, wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Macht in Europa gewesen. Hier habe sich der Kaiser mit seinem Gefolge aus ganz praktischen Gründen meist aufgehalten, „weil der Agrarertrag auch ausreichte, die vielen Menschen zu versorgen“. Und hier waren die großen Kathedralbauten von Mainz, Worms und Speyer, dazu die Kaiserpfalzen, Synoden und Hoftage.

Die Ausstellung zeige aber auch das Beziehungsgeflecht, in dem über fünf Jahrhunderte Kaiser und Könige, Fürsten und Feldherren, Ritter und Reichsfürsten, Bürger und Städte miteinander verwoben waren. Nicht ohne Grund lautet ihr Titel „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“. „Es ist eine höchst spannende Geschichte, die wir da erzählen“, so Wieczorek.

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