Vermischtes

Tiere Seit einem halben Jahr wird Zollhund „Luke“ am Flughafen Düsseldorf eingesetzt – als einziger seiner Art in Deutschland

Der Schnüffler für Bargeld

Düsseldorf.„Luke“ stellt die Ohren auf und jault ungeduldig, denn er weiß: Jetzt beginnt die Arbeit oder vielmehr sein Lieblingsspiel. Der dreijährige Schäferhund ist nach Angaben des Zolls ein besonderer Spezialist: der derzeit einzige für Kontrollen am Menschen ausgebildete Bargeld-Spürhund in Deutschland. Seit einem halben Jahr beschnüffelt „Luke“ im Staatsauftrag Reisende am Düsseldorfer Airport.

„Such!“, befiehlt Hundeführerin Sabine Mohren. Das ist das ersehnte Signal. Jetzt kommt niemand mehr an „Luke“ vorbei, den er nicht mit den vielen Millionen Riechzellen seiner Hochleistungsnase einer Geruchskontrolle unterzogen hat. Das dauert nur eine Sekunde. Die meisten Passagiere registrieren so schnell gar nicht, dass sie kontrolliert wurden. „Nein, haben wir nicht gemerkt“, sagt eine Mutter, die den Hund soeben passiert hat. Oder sie vermuten in „Luke“, wie zwei junge Männer auf dem Weg zu ihrer Maschine, einen Drogenspürhund.

„Nasenarbeit ist absolute Schwerstarbeit“, sagt Zollsprecher Michael Walk. In seinen ersten sechs Monaten Dienstzeit habe „Luke“ am Airport bereits insgesamt 1,2 Millionen Euro erschnuppert. Bei 21 Passagieren zeigte „Luke“ an, dass sie eine verdächtig große Summe Bargeld bei sich haben.

Mehr als 10 000 Euro anmelden

Seit 2007 müssen mehr als 10 000 Euro Bargeld beim Zoll angemeldet werden, wenn sie in die oder aus der EU gebracht werden. Damit will man Terrorfinanzierung, Geldwäsche und Schwerkriminalität wie Drogenhandel erschweren. Aber auch ein Hartz-IV-Empfänger kann Probleme bekommen, wenn er mit einer größeren Summe Bargeld von „Luke“ erwischt wird.

„Er kann natürlich 9990 Euro nicht von 10 000 unterscheiden, es kommt ja auch auf die Stückelung an“, sagt Mohren. Außerdem weiß er nicht, ob die von ihm angezeigte Summe ordnungsgemäß angemeldet ist. So hatte mit den 1,2 Millionen Euro, die er bislang erschnupperte, letztlich alles seine Ordnung.

Weil fast jeder Passagier Geldscheine bei sich hat und Luke nur Summen über 10 000 Euro aufspüren soll, ist er auf dickere Geldbündel trainiert. Was er riecht, ist die spezielle Kombination der Gelddruckfarben und des Papiers der Banknoten. Denn Geld stinkt eben doch. „Jede Währung riecht sogar anders“, sagt Mohren. Ihr Hund ist trainiert auf Euro, US-Dollar, britische Pfund und türkische Lira.

Plötzlich jault „Luke“ auf, bellt und stupst mit seiner Nase eine junge Frau an. Dann setzt er sich vor sie. Julia Janßen (20) ist nicht an „Luke“ vorbeigekommen. Die 25 000 Euro Bargeld in der Tasche ihres Pullovers wurden ihr zum Verhängnis. Aber die Zoll-Anwärterin ist nur ein „Köder“ für Luke. Test bestanden.

20 Minuten lang kann „Luke“ die Passagierströme am Airport beschnuppern. Dann braucht er dringend eine mindestens genauso lange Pause. Was ihn auszeichnet und in die engere Wahl hat kommen lassen, sei seine geringe Aggressivität, sagt Mohren. So nah an den Reisenden darf „Luke“ auf keinen Fall zuschnappen, wenn ein Passagier eine schreckhafte Bewegung macht oder eine Kinderhand nach ihm greift.

„Kinder sind ihm zum Glück völlig egal“, berichtet die Hundeführerin, während sich gleich mehrere begeisterte Kleinkinder um das Tier scharen. Umgekehrt gilt das Gegenteil: Kleine Kinder scheint der 40 Kilogramm schwere Schäferhund trotz seiner Größe magisch anzuziehen.

Für seine elf Spürhund-Kollegen, die am Airport hinter den Kulissen im Gepäckbereich ihren Dienst tun, gelten nicht so strenge Anforderungen. Sie dürfen an den Koffern zumindest ein bisschen knabbern, sabbern und kratzen, wenn sie etwas erschnüffelt haben.

Belohnung ist ein Ball

Einmal im Jahr muss der Rüde zum Leistungstest. Dann wird geprüft, ob er den Anforderungen noch gewachsen ist oder in Rente muss. Mit drei Jahren ist er jedoch ein junger Hund. „Wir hoffen, dass er noch einige Millionen in den nächsten Jahren erschnüffelt“, sagt Zollsprecher Walk.

Sobald „Luke“ etwas gefunden hat, bekommt er eine Belohnung: seinen Ball. Auf ihm darf er herumkauen. Ein Wurstbrot lässt ihn dagegen kalt, wenn er im Dienst ist, sagt Mohren. Bei einem Koffer voll mit getrocknetem Fisch, den ein Reisender aus Afrika mitgebracht hatte, sei er zwar sehr neugierig gewesen, habe aber nicht angezeigt. „Bei der Arbeit blendet er alles andere aus.“