Vermischtes

Schwimmbäder 15 Einrichtungen in Baden-Württemberg seit 2016 dicht / Städte -und Gemeindebund fordert Hilfe für Kommunen

„Deutschland braucht rasch ein Programm zur Sanierung“

Archivartikel

Stuttgart/Mannheim.Es geht abwärts mit der Zahl der Schwimmbäder in Deutschland. Allein in Baden-Württemberg mussten nach einer Umfrage der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) unter Kommunen 15 Einrichtungen seit Januar 2016 geschlossen werden (deutschlandweit 117). Neu eröffnet wurde demnach lediglich ein Bad. Die Umfrage liegt dieser Zeitung vor. Weiter geht daraus hervor, dass 29 Südwest-Bäder – darunter zwölf Freibäder – von Schließung bedroht sind. Die Landeszahlen sind Bestandteil einer bundesweiten Befragung der DLRG.

Häufiger Grund für das Bädersterben: Sanierungsstau und fehlendes Personal. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (FAS) beschrieb, dass seit dem Jahr 2000 die Bäderanzahl deutschlandweit von 6716 auf heute knapp 6000 gesunken ist. Eintrittsgelder der Schwimmbäder deckten trotz Rekordbesucherzahlen nur ein Drittel der Kosten, bestätigte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB), Gerd Landsberg, auf Anfrage dieser Zeitung. Den Kommunen fehle vielerorts Geld für den Betrieb. „Deutschland braucht rasch ein Programm zur Sanierung“, sagte er. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) habe ein Sanierungsbedarf von rund 4,6 Milliarden Euro errechnet.

Personal schwierig zu finden

Die Rhein-Neckar-Region ist nicht in dem bundesweiten Maß betroffen, kämpft aber an mehreren Stellen. In Mannheim besteht laut einer Beschlussvorlage der Stadt vom vergangenen Jahr ein Sanierungsstau in Höhe von rund 24 Millionen Euro für Freibäder. In Plankstadt im Rhein-Neckar-Kreis gibt es seit mehr als 50 Jahren ein Lehrschwimmbecken. „Ein hoher finanzieller Aufwand. Die Betriebskosten belaufen sich auf rund 200 000 Euro pro Jahr“, teilt die Gemeinde mit. Dazu kämen 100 000 Euro für Reparaturen. Bei der Stadt Schwetzingen hieß es auf Anfrage: „Kommunal betriebene Bäder, auch Freizeitbäder, sind praktisch nie zu 100 Prozent kostendeckend.“ Zudem sei die Suche nach gutem Personal schwierig. Auch Ketsch kämpft um Personal. „Wir suchen händeringend, bekommen aber keine Fachkräfte und müssen mit Leiharbeitsfirmen kooperieren“, erklärte Bürgermeister Jürgen Kappenstein. Die Eppelheimer Bürgermeisterin Patricia Rebmann sagte auf Anfrage: „Qualifiziertes Personal ist schwierig zu finden. Das Schwimmbad hat einen hohen Zuschussbedarf und es ist Jahr für Jahr ein Kampf, es zu erhalten.“

Zudem befinden sich viele Bäder altersbedingt in desolatem Zustand. Das mehr als fünf Jahrzehnte alte Hallenbad der südhessischen Stadt Lampertheim etwa gilt wegen Statik, alter Technik und Infrastruktur als sanierungsbedürftig. Im kommenden Jahr soll nun die Lüftungsanlage sowie das Dach und die Fassade für 2,5 Millionen Euro erneuert werden.

Das Land Hessen fördert ab 2019 Kommunen, Vereine und öffentliche Betreiber über fünf Jahre mit jährlich zehn Millionen Euro im Rahmen des „Schwimmbad-Investitions- und Modernisierungsprogramms“ (SWIM). Auch Rheinland-Pfalz bietet ab 2020 jährlich insgesamt 5,2 Millionen Euro Sanierungshilfe. Die Unterstützung gilt aber nur Sportbädern, nicht für Spaßbäder, Thermen und Saunalandschaften. Das Land Baden-Württemberg hat kein Fördergeld vorgesehen. „Die Sanierung der Schwimmbäder ist eine kommunale Selbstverwaltungsangelegenheit“, erklärte das Kultusministerium auf Anfrage.