Vermischtes

Hörspiel 200. Folge der Kult-Serie erscheint dieses Jahr / Sprecher seit 40 Jahre dieselben

„Die drei ???“ und der langjährige Erfolg

Archivartikel

Hamburg.Ein dumpfer Synthesizer. Lautes Vogelzwitschern. Verzweifelte Hilferufe. Und dann zwei junge Stimmen: „Hey Peter, jemand ruft um Hilfe!“ – „Ich hab’s gehört. War das nun ein Mann oder eine Frau?“ - „Hmm, vielleicht keines von beiden!?“ So merkwürdig beginnt 1979 das allererste Abenteuer der erfolgreichsten deutschen Hörspielreihe. Millionen kennen seit ihrer Kindheit „Die drei ???“, Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews.

Fans verfolgten die Fälle der Junior-Detektive auf Schallplatte oder Kassette, auf CD oder per Stream. Der Clou: Die Sprecher des Trios sind bis heute die drei selben. Dieses Jahr steht gleich ein Doppeljubiläum an – der 40. Geburtstag und die 200. Folge.

Oliver Rohrbeck spricht den rundlichen Schlaumeier und Schnelldenker Justus Jonas, der mit seinen beiden Teenie-Freunden im kalifornischen Rocky Beach nach verschwundenen Schätzen, Gespenstern und Verbrechern sucht. Dass das so einschlagen würde, erzählt Rohrbeck, hätten er und seine Kollegen Jens Wawrczeck (Peter) und Andreas Fröhlich (Bob) nicht ahnen können. „Es war auch in der Branche einfach nicht üblich, dass man sagt: ’Wir machen jetzt für 30 oder 40 Jahre eine Serie.’“

Am Anfang steht die Episode „Der Super-Papagei“, am 12. Oktober 1979 veröffentlicht. Nahezu jeder Titel einer Episode beginnt mit der Formulierung „Die drei ??? und...“ Sechs bis acht Folgen werden pro Jahr aufgenommen.

Hörspielregisseurin Heikedine Körting trifft mit dem Format 1979 offensichtlich einen Nerv: „Ich kriegte pro Woche mindestens einen Wäschekorb voll Briefchen, Bildern, Malereien, Hörspielideen.“ Mit den Jahren werden „Die drei ???“ zum größten Verkaufserfolg des Labels – bis heute sind über 46 Millionen Tonträger abgesetzt.

Fettes Brot lässt Serie aufleben

Besonders in den Anfangsjahren steht dahinter eine sehr komplexe Erfolgsformel. Die Plattenfirma Europa hat sich (per US-Lizenz des Serienerfinders Robert Arthur) das Logo von Alfred Hitchcock und dessen Namen als Figur gesichert. So tritt er quasi als Schirmherr auf. Zudem erkennen die Macher schon früh den beginnenden Boom der Kassette und bieten sie für fünf Mark an – ein Kampfpreis. Viele Fernsehstars übernehmen Sprechrollen, etwa Horst Frank, Hans Clarin, Gisela Trowe und Günter Pfitzmann.

Dennoch gerät die Reihe mit den Jahren in schwierige Zeiten. Irgendwann sind alle US-Vorlagen vertont. Die Skripte werden schwächer. Justus, Bob und Peter haben zu ermitteln begonnen, als es hierzulande noch D-Züge und Wählscheibentelefone gab – und nur drei TV-Kanäle. Videospiele und Privatfernsehen werden zur Konkurrenz. Der Glanz der „drei ???“ droht Mitte der 90er schwächer zu werden. Da geschieht etwas Unvorhersehbares, das der Reihe zu einem Neustart verhilft: Um das Jahr 1997 schickt sich die beliebte Hip-Hop-Band, Fettes Brot, an, die Idole ihrer Kindheit wieder populärer zu machen. „Das waren totale Fans. Sowas von Fans. Sie konnten alles auswendig“, erzählt Regisseurin Körting

Fettes Brot ergattern Sprechrollen in der Reihe und widmen ihr sogar eine Platte. Die Kampagne wirkt: Junge Leute erinnern sich an die gelben Kassetten. Kurz vor dem Millennium ist es bei Mittzwanzigern nun Mode, die Abenteuer aus Kindertagen wieder zu hören. Erwachsene machen laut Europa heute die Hälfte der Käufer aus.

Oliver Rohrbeck und Andreas Fröhlich sind nunmehr 53 Jahre alt, Jens Wawrczeck 55. Obwohl sie laut Regisseurin Körting „glatt durch den Stimmbruch“ kamen und sich noch heute wie junge Männer anhören, muss Europa gezielt Sprecher auftreiben, die nicht jünger klingen als sie. Noch schwieriger werde es, wenn die Junior-Detektive auf Erwachsene träfen. „Die muss ich mit mindestens einem Abstand von 20 Jahren besetzen.“