Vermischtes

Zeitumstellung Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will Ergebnisse der Umfrage umsetzen

„Die Menschen wollen das, wir machen das“

Archivartikel

Brüssel.Im März eine Stunde vor, im Oktober eine Stunde zurück – seit Jahrzehnten wird in der Europäischen Union zwei Mal im Jahr die Zeit umgestellt. In einer EU-weiten Umfrage hat sich eine große Mehrheit der Teilnehmer für die Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen. Die Abstimmung war zwar nicht repräsentativ und auch nicht bindend. Doch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will dem folgen. „Die Menschen wollen das, wir machen das“, sagte der Kommissionschef gestern im ZDF. Wichtige Punkte im Überblick:

Wird die Zeitumstellung nun wirklich abgeschafft?

Gut möglich, aber nicht sofort. Die EU-Kommission hat zunächst einmal nur ein Vorschlagsrecht. Das Europaparlament und die EU-Staaten müssen noch zustimmen. Wenn das noch vor Ende der Legislaturperiode im Mai 2019 passieren soll, müssen sie sich beeilen. Die zuständige EU-Kommissarin Violeta Bulc sagte gestern, wenn alles glatt laufe, könnte die Entscheidung 2019 fallen – und die Zeitumstellung 2020 oder 2021 passé sein.

Was würde das im Alltag bedeuten?

Wenn künftig in Deutschland die ewige Sommerzeit gelten sollte, ginge beispielsweise am 1. Januar 2019 die Sonne in Frankfurt/Main morgens erst um 9.24 Uhr auf, ginge aber auch erst gegen 17.30 Uhr unter. Wenn eine dauerhafte Winterzeit eingeführt werden würde, hätte das umgekehrt Folgen für die langen Sommerabende: Am 1. Juli 2019 würde die Sonne in Frankfurt statt um 21.37 Uhr nun schon um 20.37 Uhr untergehen. Dafür würde sie um 4.20 Uhr aufgehen.

Wollen die Bürger die Abschaffung wirklich?

Das wollte die EU-Kommission mit der Online-Umfrage herausfinden und das Ergebnis war sehr eindeutig: 84 Prozent der 4,6 Millionen Teilnehmer wollen ein Ende des Hin und Her. Die Umfrage war allerdings nicht repräsentativ – jeder konnte mitmachen, und die Vermutung liegt nahe, dass sich vor allem Menschen mit einer klaren Meinung beteiligten.

Warum gibt es den Wechsel zwischen Sommer- und Winterzeit?

Eigentlich soll das Tageslicht besser genutzt werden. In Deutschland gab es die Sommerzeit schon mehrfach. Zuletzt wurde sie 1980 wieder eingeführt. Unter dem Eindruck der Ölkrise von 1973 hatte man die Hoffnung, auf diese Weise Energie zu sparen. Seit 1996 gibt es eine einheitliche EU-weite Regelung.

Was passiert, wenn der Gesetzesvorschlag beschlossen wird?

Sollte das Hin und Her abgeschafft werden, könnte jedes Land für sich entscheiden, ob es dauerhaft die Winterzeit oder die Sommerzeit einführen möchte.

Würde das nicht zu einem Flickenteppich in der EU führen?

In der EU gibt es drei Zeitzonen. In Deutschland und 16 weiteren Staaten herrscht die gleiche Uhrzeit: die Mitteleuropäische Zeit, genannt MEZ. Darunter sind Belgien, Österreich, Dänemark, Frankreich. In acht Ländern – Bulgarien, Estland, Finnland, Griechenland, Lettland, Litauen, Rumänien und Zypern – gilt die Osteuropäische Zeit oder OEZ. Drei Staaten sind eine Stunde zurück, nämlich Irland, Portugal und Großbritannien, wo die Westeuropäische Zeit gilt, die WEZ.

Info: Video im Netz unter: morgenweb.de/vermischtes

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