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Freizeit Kriminologe Christian Pfeiffer warnt vor „Einstiegsdroge“

E-Sport – eine Gefahr für Jungen und Mädchen?

Hannover/Berlin.Ist das noch Zocken – oder schon Sport? Seit Jahren ringt E-Sport, virtueller Sport, in Deutschland um mehr Anerkennung. In der Politik stoßen die Lobbyverbände zunehmend auf offene Ohren. Und das ist eine Entwicklung, die dem Kriminologen Christian Pfeiffer Sorge bereitet. „Das ist eine Einstiegsdroge“, sagt der langjährige Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), der Deutschen Presse-Agentur. „Darüber finden die Jungs den Zugang zu anderen Spielen.“

„Das Thema E-Sport ist längst kein Nischenthema mehr. Wir sprechen hier über ein weltweites Phänomen, das Millionen von Menschen erreicht und begeistert“, sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) unlängst im Landtag in Hannover. „Der digitale Breitensport ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“

Kritik an „Leistungskiller“

Und darum ist E-Sport auch immer wieder Thema in den Länderparlamenten von Kiel bis München. Erst am 6. Oktober hatte der Ausschuss für Inneres und Sport des niedersächsischen Landtags beschlossen, „die hohe Bedeutung von virtuellen Sportarten und deren Bedeutung für den Breitensport in Niedersachsen“ anzuerkennen, wie es in dem angenommenen Antrag von SPD und CDU heißt. Schon 2018 hatte die Regierungskoalition in Sachsen-Anhalt beschlossen, E-Sport zu fördern und sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass er – wie herkömmlicher analoger Sport auch – als gemeinnützig anerkannt werden und damit Steuervergünstigungen erhalten kann. Auch in den Landesparlamenten in Schleswig-Holstein, Bayern und Rheinland-Pfalz wurde das Thema diskutiert.

An den Anträgen und Beschlüssen in den Landtagen zeige sich, „dass die Lobbyisten des E-Sports ganze Arbeit geleistet haben“, kritisierte Pfeiffer. Pfeiffer nennt E-Sport einen „Leistungskiller“. Er kritisiert eine fehlende Auseinandersetzung der Politik mit den Erkenntnissen der empirischen Forschung. „Diese hat seit mehr als zehn Jahren etwas klar belegt: Die bundesweit wachsende Leistungskrise der männlichen Jugendlichen und jungen Männer beruht in hohem Maß auf einem Anstieg der Intensität und täglichen Dauer ihres Computerspielens“, sagt der Kriminologe weiter.

Verglichen mit den Daten einer 2007/2008 bundesweit durchgeführten Jugendbefragung, hat sich laut einer KFN-Erhebung in Niedersachsen der Anteil der männlichen Jugendlichen, die pro Tag mindestens 4,5 Stunden ausschließlich mit Computerspielen verbringen von 2007 bis 2017 von 16 auf 24 Prozent erhöht. Bei den Mädchen sank der Untersuchung zufolge die Quote der Intensivspielerinnen von 4,3 auf 2,3 Prozent.

Verband weist Vorwürfe zurück

„Wenn man auch die Wochenenden und Ferien in die Berechnung einbezieht, verbringt danach jeder vierte 15-jährige Junge in Niedersachsen mehr Zeit mit Computerspielen als im Schulunterricht“, sagt Pfeiffer. Vor diesem Hintergrund sei es für ihn kaum überraschend, dass der Anteil der Jungen unter den Gymnasiasten in Niedersachsen zwischen 2013 und 2017 von 49 auf 42 Prozent sank, während der Mädchen-Anteil von 51 auf 58 Prozent stieg. „Die Jungen dominierten dafür 2017 stärker als je zuvor an den Sonderschulen und Hauptschulen und stellten insgesamt drei Fünftel der Sitzenbleiber“, sagt Pfeiffer. Auch bei den Studenten gebe es wachsende Leistungsunterschiede zwischen den Geschlechtern.

Der ESBD weist Pfeiffers Kritik als „nicht sachgerecht“ zurück. In ihren Vereinen hätten „der gesunde und maßvolle Umgang mit Computerspielen“ und die Vermittlung von Medienkompetenz „oberste Priorität“. „Wenn jemand etwas über zwanzig Jahre ohne Evidenz behauptet, dann macht es das Argument nicht richtiger, sondern nur altbacken“, sagte ESBD-Präsident Hans Jagnow. dpa

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