Vermischtes

Mobilität Verkehrsverbände ziehen einen Monat nach Zulassung der Fahrzeuge kritische Bilanz

„E-Tretroller werden von vielen unterschätzt“

Berlin.Kritisch ist die Zwischenbilanz, die Verkehrsverbände knapp einen Monat nach der Zulassung von E-Tretrollern gezogen haben. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat und der ADAC forderten angesichts erster Unfälle eine bessere Aufklärung über Sicherheitsgefahren. Aus Berlin und anderen Städten seien seit der Zulassung schwere Unfälle gemeldet worden, sagt Christian Kellner, Hauptgeschäftsführer des Verkehrssicherheitsrats. „Das zeigt, wie gefährlich das Fahren mit E-Scootern ist und wie sehr es von einigen unterschätzt wird.“

Dringend notwendig sei Aufklärung. „Alle müssen wissen, wie man mit den Fahrzeugen fährt und wann welche Unfallrisiken bestehen.“ Gefordert seien dabei auch die Hersteller und Anbieter, die per App oder über den E-Scooter direkt Sicherheitshinweise geben könnten.

Nachdenken über Helmpflicht

„Immer häufiger sind unachtsam abgestellte E-Scooter Stolperfallen auf den Bürgersteigen“, betont Kellner. Das müsse verhindert werden. „Sollte sich die Unfallsituation weiter verschlechtern und sollten mehr Menschen mit Kopfverletzungen und Brüchen in Krankenhäuser eingeliefert werden, müssen wir über eine Helmpflicht nachdenken“, sagt Kellner.

E-Tretroller dürfen zwischen sechs und 20 Kilometer pro Stunde schnell fahren. Vorgeschrieben sind auch zwei Bremsen, Licht und eine „helltönende Glocke“. Erlaubt sind sie ab 14 Jahren. Fahren müssen E-Scooter auf Radwegen – gibt es keine, muss es die Fahrbahn sein.

In den vergangenen Wochen war es der Polizei zufolge zu Unfällen auf Straßen und Gehwegen gekommen. In Berlin wurden mindestens sieben E-Tretroller-Unfälle und acht Schwerverletzte mit Knochenbrüchen und Kopfverletzungen registriert. Frankfurt und Hamburg meldeten eine einstellige Zahl an Unfällen, München zählte bislang mindestens sechs. Zudem wurden zahlreiche E-Tretroller-Fahrer für Verwarnungsgelder zur Kasse gebeten – oft, weil sie betrunken, zu zweit oder auf dem Gehweg unterwegs waren.

Auch eine Sprecherin des ADAC verwies auf zunehmende Probleme. Der Automobilclub appelliere an die Nutzer, sich verantwortungsvoll, defensiv und vorausschauend zu verhalten. Die Fahrer seien „schutzlos“, im Falle von Stürzen und Unfällen könne es zu schweren Verletzungen kommen. Wichtig sei es, sich vorab über die mögliche Route Gedanken zu machen und Strecken ohne Radweg möglichst zu vermeiden.

Training erwünscht

Dass es reihenweise zu Alkohol-Fahrten komme, zeige für den ADAC die Notwendigkeit verstärkter Aufklärung: „E-Scooter sind Kraftfahrzeuge, es gelten die gleichen strikten Regeln wie beim Autofahren.“ Mit Vernunft genutzt könnten die E-Tretroller jedoch eine gute Ergänzung gerade in den Städten sein.

Als positiv bewertet es der ADAC, dass einzelne Verleiher ihre Apps nutzen, um zusätzliche Sicherheitshinweise zu geben. „Das Engagement könnte allerdings noch deutlich größer sein“, sagt die Sprecherin. Denkbar sei es etwa, dass Verleiher und Hersteller Training anbieten: „Es liegt im Interesse der Hersteller und Verleiher, dass es in unseren Städten nicht zu einem Scooter-Chaos kommt.“