Vermischtes

Flughafen Frankfurt Tausende Passagiere spüren die Folgen eines falschen Sprengstoffalarms

„Ein Alptraum, ein einziger Alptraum“

Frankfurt.An diesem heißen Augusttag herrscht noch größeres Gedränge als sonst in Teilen des Frankfurter Flughafens. Nach einem Sicherheitsproblem und folgender Teilräumung stauen sich die Passagiere vor dem abgesperrten Teil in der Abflughalle A am Terminal 1. „Bitte gehen Sie zurück, die Halle ist gesperrt“, fordert ein junger Bundespolizist die Reisenden auf. Beamte bilden eine Kette vor dem rot-weißen Flatterband der Absperrung.

Einige Passagiere reagieren gleichmütig, andere genervt. Ängstlich wirkt niemand, auch das Wort „Sicherheitsvorfall“ weckt keine Besorgnis. „Letzten Monat in München war ja auch nur blinder Alarm“, sagt ein Reisender. Genervt kurvt eine andere Passagierin ihren voll beladenen Gepäckwagen zurück in die schnell wachsende Menschenmenge.

Wasser, Saft und Snacks

Flughafenmitarbeiter versuchen, das in Teilen der Halle zunehmend chaotische Gedränge so unter Kontrolle zu halten, dass Feuerwehrzufahrten offen bleiben. Obwohl es angesichts der Menschenmassen zunehmend stickig ist, scheint aber niemand zu schwächeln. Für durstige, gestrandete Reisende gibt es Wasser, Saft und kleine Snacks.

Eine spanische Familie ist verwirrt, weil ihr Flug im gesperrten Terminalbereich nicht mehr auf der Abflugtafel steht. Ist der jetzt ohne die fünf Madrilenen gestartet? „Der Flug steht weiter am Gate und ist nur aus dem System genommen worden, bis es im Terminal wieder läuft“, beruhigt einer der zahlreichen Fraport-Mitarbeiter, die in den noch geöffneten Terminalbereichen die Wogen glätten. „Sie brauchen kein neues Ticket.“

Auslöser für das Chaos war eine Familie aus Frankreich. „Trotz positivem Sprengstofftest wurde eine vierköpfige französische Familie in den Sicherheitsbereich entlassen“, berichtete die Bundespolizei. Das sei „der Fehler einer Luftsicherheitsassistentin“ gewesen.

Die Familie treffe keine Schuld, sagte eine Sprecherin der Bundespolizei: „Es war keine böse Absicht“. Als beim „Abwischen“ der Sprengstofftest – fälschlicherweise – angeschlagen habe, hätte die Fraport-Mitarbeiterin eine Nachkontrolle vornehmen müssen, sie habe das aber unterlassen. Die Familie wurde gesucht, gefunden und befragt. Danach durfte sie weiterreisen.

Fast drei Stunden hat die ganze Aufregung gedauert. „Der Betrieb wurde wieder aufgenommen“, berichtet die Bundespolizei auf Twitter. „Wir danken allen Passagieren und Flughafenmitarbeitern für ihr Verständnis und diszipliniertes Verhalten!“ Die ersten, ganz eiligen Passagiere sind da schon längst losgestürmt.

Ein Ende des Wartens und der Staus ist mit der Wiederaufnahme des Betriebs aber noch nicht in Sicht. Es werde wohl noch eine ganze Weile dauern, bis alles wieder normal laufe, schätzt Reza Ahmari, der Sprecher der Bundespolizei am Frankfurter Flughafen. „Das ist natürlich hoch komplex. Wir schätzen, dass 13 000 Passagiere und über 60 Flüge betroffen sind. Einige mussten annulliert werden, und andere gehen natürlich hier verspätet raus. Wir sind guter Dinge, dass das bis heute Abend wieder einigermaßen läuft.“

Wachsende Panik

Viele, die beim Warten vor dem gesperrten Bereich geduldig waren, zeigen nun Nerven, drängeln und wollen endlich weiter Richtung Sicherheitskontrolle. Eine polnische Passagierin blickt in wachsender Panik auf ihre Uhr. „Ein Alptraum, ein einziger Alptraum!“, ruft sie entnervt. Um 11.30 Uhr war ihre Maschine gelandet, dann musste sie erfahren, dass es mit der Weiterreise nach New York schwierig werden könnte. Doch ganz will sie nicht aufgeben. „Unser Anschlussflug startet fünf Stunden nach unserer Ankunft. Vielleicht klappt es ja doch noch.“ Auch wenn der Flugbetrieb wieder anläuft – von Normalität kann noch keine Rede sein.