Vermischtes

Kriminalität Claudia Ruf wurde vor 23 Jahren ermordet / Nach neuen Analysen vermuten Ermittler den Mörder in ihrer Heimat

Ein Dorf sucht einen Mörder

Grevenbroich.„Es hätte meine Tochter sein können, sie waren gleich alt“, sagt Horst I.. Der 50-Jährige erinnert sich noch genau an das Verschwinden der elfjährigen Claudia Ruf vor 23 Jahren und an das Entsetzen im Dorf, als bekannt wurde, dass das Mädchen ermordet worden war. „Es war einfach heftig“, sagt der Grevenbroicher. Seine Tochter habe Claudia gekannt – schließlich seien sie im selben Ort groß geworden.

Nun steht Horst I. am Samstagmorgen als einer der ersten vor der Grundschule seines niederrheinischen Heimatortes Hemmerden, der zu Grevenbroich gehört. Er war zum Tatzeitpunkt 27 Jahre alt und soll deshalb eine Speichelprobe abgeben – wie alle Jugendlichen und Männer, die damals in Hemmerden wohnten und zwischen 14 und 70 Jahre alt waren.

„Es ist unsere Pflicht“

Die Suche nach dem Mörder der elfjährigen Claudia Ruf ist wieder aufgerollt worden, seit Profiler im Landeskriminalamt NRW neue Ansätze bei dem alten Fall entdeckt haben. Der dritte und größte DNA-Massentest soll den Mörder endlich überführen. Mehr als 800 Männer, die noch am Ort wohnen, waren in der ersten Runde aufgerufen, ihre DNA testen zu lassen. Am ersten der beiden Massentest-Wochenenden in einer Grundschule seien 675 Männer dem Aufruf gefolgt, teilte die Polizei am Sonntag mit. In der vergangenen Woche waren mehr als 100 neue Hinweise aus der Bevölkerung zu dem Fall eingegangen.

Am Eingang der Grundschule, die vor mehr als zwei Jahrzehnten auch Claudia Ruf besuchte, informiert am Samstag ein Bildschirm über den Ablauf des Tests. Die Männer müssen mehrere Stationen durchlaufen, die auf verschiedene Klassenräume verteilt sind, um „etwas Privatsphäre zu schaffen“, wie der Chef der Mordkommission, Reinhold Jordan, sagt.

Über den Klassenräumen sind Schildchen angebracht, die in drei Schritten durch den „Parkour“ führen, wie ihn Jordan nennt. Zuerst sollen die Männer sich ausweisen, dann eine Einverständniserklärung unterschreiben. Im dritten Schritt geht es zum Test. Begleitet werden sie von einem Kriminalbeamten.

Claudia Ruf war im Mai 1996 entführt worden, als sie mit einem Nachbarshund Gassi ging. Sie wurde sexuell missbraucht und erdrosselt. Ihre Leiche wurde 70 Kilometer entfernt in Euskirchen auf einem Feldweg gefunden. Um Spuren zu verwischen, hatte der Täter sie mit Benzin übergossen und angezündet.

Der Vater von Claudia Ruf appellierte vor dem neuen DNA-Test an die Einwohner von Hemmerden, die Ermittlungen zu unterstützen. „Bitte helfen sie der Polizei. Bitte helfen sie mir.“ Es bestehe jetzt die Chance, das traurige Schicksal seiner Tochter doch noch aufzuklären.

Horst I. wünscht sich für Familie Claudias, dass sie zur Ruhe kommt. „Je mehr Männer an dem Test teilnehmen, desto enger zieht sich die Schlinge“, sagt er. „Es ist unsere Pflicht mitzumachen.“ dpa

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