Vermischtes

Porträt Der in Heidelberg geborene Verleger Hubert Burda wird am Sonntag 80 Jahre alt / Medienkonzern konzentriert sich auf Wachstum im Digitalen

Ein Verleger mit Weitblick

München/Offenburg.„Ich kam mir vor wie in einem großen Atelier. Dessen kreativer Geist sollte schon bald die größten Veränderungen der Medienwelt hervorbringen.“ Verleger Hubert Burda beschreibt hier im Vorwort seines Buches „Digitale Horizonte“ Eindrücke von der US-Westküste in den 1990er Jahren mit Film-, Musikindustrie und Programmierern. Es ist eine Zeit, die technologisch betrachtet gefühlt Jahrhunderte zurückliegt. Doch die digitale Welt, die sich abzeichnen sollte, zog Burda in den Bann. Heute ist er ein mächtiger Verleger, der die alte wie die neue Welt der Medien verbindet. Am Sonntag wird er 80 Jahre alt.

100 Prozent im Familienbesitz

Mit dem Namen Burda verbindet man vieles: das Nachrichtenmagazin „Focus“ und „Focus Online“, die People-Zeitschrift „Bunte“, das Mode- und Nähmagazin „Burda Style“, die Fashion-Zeitschrift „Elle“. Image prägend für seinen Verlag sind auch die glamouröse Medienpreis-Gala „Bambi“.

Hubert Burda, der am 9. Februar 1940 in Heidelberg geboren wurde, brachte einen großen Gestaltungswillen in das Verlagsgeschäft mit. Nach einer Erbschaftsteilung mit seinen Brüdern Franz und Frieder übernahm er in den 1980er Jahren die Geschäfte mit 15 Zeitschriften. Er machte aus dem süddeutschen Verlagserbe seiner Eltern Aenne und Franz Burda einen international agierenden Konzern, der sich heute als Tech und Media Company mit Standorten wie Paris, New York, Warschau und São Paulo präsentiert. 2018 erwirtschaftete die Hubert Burda Media Holding mit Sitz im badischen Offenburg und in München nach eigenen Angaben einen Umsatz von 2,66 Milliarden Euro. Burda hat mehr als 12 000 Mitarbeiter und rund 600 Medienprodukte in Deutschland und weiteren 17 Ländern – darunter allein hierzulande rund 150 Zeitschriften. All das hatte mit Burdas Großvater 1903 und einer kleinen Druckerei in Baden-Württemberg begonnen.

Das Medienhaus ist zu 100 Prozent in Familienbesitz: Hubert Burda ist Eigentümer zusammen mit seinen Kindern Jacob Burda (30) und Lisa Furtwängler (28). Es sind die beiden Kinder, die Burda mit seiner zweiten Ehefrau, der Schauspielerin Maria Furtwängler (53, „Tatort“), hat. In einem „Spiegel“-Interview beschrieb Furtwängler ihren Mann als „einen extrem starken und selbstbewussten Mann, in dessen Schatten man leicht zum Umfeld wird, zum Satelliten“. Im Privaten musste Burda manchen Schicksalsschlag erleben. Sein Sohn aus erster Ehe, Felix Burda, starb 2001 an Darmkrebs. Mit seiner früheren Frau Christa Maar gründete er eine Stiftung für den Kampf gegen diese Erkrankung.

Burda studierte Kunstgeschichte, Archäologie und Soziologie und promovierte in den 1960ern. Den Anfang seiner Karriere im Konzern beschrieb er selbst in einem Interview so: „Ich habe sieben Jahre lang nur Fehler gemacht.“ Burda, der sich 2010 von der Unternehmensführung zurückzog, wagte im Laufe seiner Karriere vieles. Dabei ging auch einiges schief wie das Männermagazin „M.“ oder die Boulevardzeitung „Super!. Er machte weiter.

Anzeige und Vertrieb rückläufig

Mit den Jahren richtete der Konzern den Blick neu aus und wandelte sich weiter, ohne sich vom Zeitschriftengeschäft zu verabschieden. Mehr als die Hälfte des Umsatzes brachte 2018 der Bereich Digitalmarken National ein, in dem die wesentlichen deutschen Internet-Aktivitäten vereint sind. Das Unternehmen geht damit einen ähnlichen Weg wie andere Medienkonzerne in Deutschland: Es konzentriert sich auf Wachstum im Digitalen. Dazu zählen das Jobnetzwerk Xing, das Online-Reiseunternehmen HolidayCheck und das Arztempfehlungsportal Jameda. Die traditionellen Umsatzsäulen des Konzernbereichs – Anzeigenvermarktung und Zeitschriftenvertrieb – sind in den vergangenen Jahren rückläufig gewesen. dpa

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