Vermischtes

Kinderporno-Plattform Landgericht Limburg verurteilt vier Männer zu jahrelangen Haftstrafen

„Elysium“-Betreiber müssen hinter Gitter

Archivartikel

Limburg.Auf der Suche nach den Betreibern der Kinderpornografie-Plattform „Elysium“ werden die Ermittler ausgerechnet in einer Werkstatt mitten in Hessen fündig. Dort steht der Server für das im Darknet – dem unkontrollierten Bereich des Internets – betriebene Portal, das eine weltweite Reichweite und mehr als 111 000 Nutzerkonten hatte. Nicht nur diese Dimension und der Standort machen den Fall außergewöhnlich – sondern auch, dass Mitgliedern der Führungsriege der Prozess gemacht werden kann.

Teilweise als Bande

Nach monatelanger Verhandlung verurteilte das Landgericht Limburg gestern die vier Männer aus Hessen, Baden-Württemberg und Bayern zu mehrjährigen Haftstrafen. Es gehe um ein „hochprofessionelles Vorgehen“, sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Die Angeklagten im Alter von 41 bis 63 Jahren, darunter ein Mann aus dem Main-Tauber-Kreis, hatten sich demnach in unterschiedlichen Funktionen bereits am Betrieb einer Vorgängerplattform namens „The Giftbox Exchange“ beteiligt. Diese flog auf, doch ein Angeklagter konnte Daten retten und schuf „Elysium“. Das Gericht ging davon aus, dass die vier Männer teils als Bande agierten.

Pädophile konnten auf der Plattform Bilder und Videos von teils schwerstem sexuellen Kindesmissbrauchs tauschen. Auch die Angeklagten sollen Aufnahmen veröffentlicht haben. Das Gericht verurteilte die vier Deutschen wegen des Zugänglichmachens und des Besitzes von Kinderpornografie. Insgesamt gab es zwischen drei Jahren und zehn Monaten sowie neun Jahren und neun Monaten Haft. Mehrere Verteidiger gehen in Revision.

Den ersten Hinweis auf „Elysium“ bekamen die Ermittler von Kollegen aus Australien. So stießen sie auf die Werkstatt in Bad Camberg – ein Standort, der die Fahnder angesichts der internationalen Dimension des Falls selbst überraschte: „Dass man dann diese Plattform in den heimischen Gefilden lokalisiert, ist durchaus ungewöhnlich“, so Staatsanwältin Julia Bussweiler. Die Ermittler schalteten das Portal, das ein halbes Jahr online war, im Juni 2017 ab.

Fragwürdige Aussagen

Das Gericht hielt den Angeklagten zugute, dass sie die Vorwürfe, wenn auch teils mit Einschränkungen, im Wesentlichen eingeräumt hatten. Positiv sei zudem, dass drei von ihnen den Ermittlern geholfen und beispielsweise Passwörter preisgegeben hätten.

Der Vorsitzende stellte aber auch klar, dass manche Aussagen „nicht nachvollziehbar“ seien. Etwa, dass ein Angeklagter nur aus technischem Interesse mitgemacht haben will – pädophile Neigung: Fehlanzeige. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass pädophile Neigungen und möglicherweise bei dem einen oder anderen die Hoffnung auf Anerkennung maßgeblich für die Taten gewesen seien.

Das Gericht stellte bei den Angeklagten teilweise eine „Bagatellisierung“ der Taten fest. Der Vorsitzende verwies auf Aussagen, wonach es „nur“ um bereits vorhandene kinderpornografische Aufnahmen gegangen sein soll. Dabei werde übersehen, betonte er, dass dahinter immer der reale sexuelle Missbrauch von Kindern stehe.