Vermischtes

Kriminalität Gruppierung nach Polizei-Razzien in Deutschland offiziell verboten

Ende für türkischen Rockerclub

Berlin.Ihre Kutten sehen denen der „Hells Angels“ auffällig ähnlich. Im Internet posiert die Rockergruppe „Osmanen Germania BC“ martialisch, muskelbepackt und schwer bewaffnet. Sie präsentiert sich als türkische Antwort auf die „Hells Angels“. Nur mit dem Motorradfahren hat man es nicht so: Offiziell gibt man sich als Boxclub aus.

So schnell wie der Club wuchs, so schnell wuchs auch die Zahl der Straftaten, die auf das Konto seiner Mitglieder gehen sollen. Gestern zog Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) die Notbremse und sprach ein bundesweites Verbot der Rockergruppe aus. „Wer den Rechtsstaat ablehnt, kann von uns keine Nachsicht erwarten“, sagte Seehofer in Berlin. Von dem Rockerclub gehe eine Gefahr für die Allgemeinheit aus.

Der Verein behauptete, Jugendliche „von der Straße holen“ zu wollen. Tatsächlich sei er durch gewalttätige Gebiets- und Machtkämpfe aufgefallen, so die Bundesregierung. Mit Razzien in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern und Hessen wurde das Verbot gestern durchgesetzt und Vereinsvermögen beschlagnahmt. In Nordrhein-Westfalen, einer Hochburg der Osmanen-Rocker, wurden lediglich Verbotsverfügungen und Sicherstellungsbeschlüsse überreicht.

Konflikte mit Kurden

Nach Informationen des baden-württembergischen Innenministeriums war Mannheim gestern nicht von den Razzien betroffen. Wie das Landeskriminalamt mitteilte, hat die Gruppe dort „überhaupt keine Mitglieder“. Ein Sprecher erklärte auf Anfrage dieser Zeitung, dass die Zahl der Mitglieder insgesamt deutlich zurückgegangen sei.

2014 oder spätestens 2015 wurde der „Osmanen Germania BC“ in Hessen gegründet und galt zeitweise als am schnellsten wachsende Rockergang in Deutschland. „Osmanen Germania“ nimmt im Namen Bezug auf eine einstige Dynastie, benannt nach dem türkischen Fürsten Osman, der um 1300 in Anatolien herrschte und als Gründer der Dynastie gilt.

Bereits im März war die Polizei gegen die Rockergruppe massiv vorgegangen. Mehr als 1000 Polizisten waren in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen im Einsatz. Sie durchsuchten knapp 60 Objekte – darunter auch mehrere in Mannheim – und stellten Beweismaterial sowie Waffen und Drogen sicher. Die dabei gesammelten Beweise hätten dazu gedient, das nun ausgesprochene Verbot rechtlich zu unterfüttern, heißt es aus dem Bundesinnenministerium.

In Stuttgart läuft seit März ein Prozess gegen acht mutmaßliche Mitglieder, darunter drei, die zur höchsten Führungsebene gerechnet werden. Den Männern wird unter anderem versuchter Mord, Erpressung, Drogenhandel, Zwangsprostitution, Freiheitsberaubung und Zuhälterei vorgeworfen.

In Baden-Württemberg kam es daneben auch zu Auseinandersetzungen zwischen der nationalistischen „Osmanen Germania“ und der kurdischen Gruppe „Bahoz“. Das Landeskriminalamt eröffnete mehr als 120 Ermittlungsverfahren zum Konflikt zwischen den beiden Gruppen, dabei wurden 34 Haftbefehle gegen beide erwirkt – etwa gegen den Weltpräsidenten Mehmet Bagci und den Weltvizepräsidenten der „Osmanen“, sie kamen in Untersuchungshaft.

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