Vermischtes

Italien In Florenz drohen Geldstrafen zwischen 150 und 500 Euro / Gegend zwischen Uffizien und Piazza del Grano betroffen

Essen auf der Straße verboten

Archivartikel

Florenz.Wer nach Florenz kommt, der bewundert nicht nur die Gemälde in den Uffizien, wunderbare Renaissance-Paläste, Kirchen und Plätze, sondern erfreut sich auch an kulinarischen Spezialitäten. Eine davon ist die sogenannte Focaccia, ein knuspriges Fladenbrot aus Hefeteig, Olivenöl und Salz, das etwa mit Fenchel-Salami, Mozzarella und Tomaten oder rohem Schinken gefüllt wird. In Florenz ist die Focaccia auch unter dem Namen Sciacciata oder Sbriciolona bekannt.

Touristen aus aller Welt sind dieser Street-Food-Delikatesse längst auf die Spur gekommen, eine Tatsache, die einerseits zu kaufmännischer Zufriedenheit der Verkäufer, aber auch zum Unmut der Anwohner und der Konkurrenz geführt hat. Man kann es so sagen: Die Focaccia hat Unfrieden in der Stadt der Medici ausgelöst. Seit ein paar Wochen ist deshalb eine aufsehenerregende Verordnung des Bürgermeisters in Kraft, derzufolge das Essen im Gehen oder Sitzen auf der Straße verboten ist. Die Verordnung gilt in vier Straßen in der Altstadt von Florenz, dort sind die meisten Street-Food-Läden aktiv.

Sämtliche Geschäfte in der betroffenen Zone zwischen Uffizien und Piazza del Grano wurden verpflichtet, auch eine englische Version der Verordnung ins Schaufenster zu hängen. Darauf ist festgehalten: Es ist verboten, jede Art von Essen im Stehen oder Sitzen, vor Geschäften oder Hauseingängen zu verzehren. Das Verbot gilt zur Mittags- und zur Abendessenszeit, wenn sich besonders viele Hungrige vor und um die Geschäfte versammeln, die die Delikatessen verkaufen. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafen zwischen 150 und 500 Euro geahndet.

Beschwerden von Anwohnern

Grund für das strikte Vorgehen sind die Beschwerden von Anwohnern und Geschäftsinhabern, die weniger profitieren als die Focaccia-Verkäufer. Sie bemängeln das Gedränge auf der Straße und auf dem Bürgersteig, beschweren sich über vor Laden- und Hauseingängen rastende Touristen, die nicht selten Papier oder Essensreste hinterließen.

Aktiv wurde die Stadtverwaltung, nachdem sich Ende August ein libanesischer Geschäftsinhaber in der Via dei Neri mit drei Touristen aus Spanien in die Haare kam. Der Lederwarenverkäufer hatte die Focaccia-Genießer vor seinem Schaufenster aufgefordert, Platz zu machen. Offenbar reagierten die Touristen aber nicht auf die Aufforderung, es kam zu Handgreiflichkeiten.

Die Verordnung soll derartige Zwischenfälle künftig verhindern. „Die Touristen, die sich bei uns so wie bei sich zuhause verhalten, werden immer unsere geschätzten Gäste sein“, versicherte Bürgermeister Dario Nardella. „Nur wer Florenz liebt, verdient Florenz!“ Nardella ist für sein robustes Durchgreifen gegen Touristen bekannt. Vergangenen Sommer verfügte er die Bewässerung von Kirchenstufen und Brunnentreppen, um missliebige Rastende zu vertreiben.

Jährlich besuchen inzwischen mehr als zehn Millionen Touristen die Hauptstadt der Toskana, mit Folgen wie dem Focaccia-Streit. Die bizarren Maßnahmen zeigen: Massentourismus ohne Kollateraleffekte ist eine Illusion. Diese Erfahrung machen auch Städte wie Rom oder Venedig, die jährlich von rund 14 respektive rund 25 Millionen Menschen besucht werden. Auch dort erließen die Stadtverwaltungen Verordnungen, die den angeblichen Sittenverfall im Fokus haben.

Auch in Venedig Beschränkungen

In Venedig wurden für Tage mit sehr großem Andrang zuletzt sogar Zugangsbeschränkungen für die Stadt eingeführt. Dort war es auch, als vor Tagen der Schauspieler Stefano Accorsi während des Filmfestivals eine Kontroverse auslöste. Nachts um 2.30 Uhr verspeiste Accorsi, elegant im Smoking gekleidet, auf der zentralen Piazza San Marco eine Pizza im Karton und postete ein Foto davon in den sozialen Netzwerken.

Die Reaktionen waren nicht nur euphorisch angesichts der schönen, elegant gekleideten Berühmtheit, die ein italienisches Nationalgericht vor großartiger Kulisse verspeist. Der Verband der Restaurantbetreiber protestierte heftig gegen das schlechte Beispiel, das Accorsi der Welt gebe. Auf der Piazza San Marco sei der Verzehr von mitgebrachtem Essen schließlich verboten. Nun hatte sich Accorsi aber mit seiner Pizza an einen leerstehenden Tisch auf der Piazza gesetzt. Wie dieser Tatbestand zu beurteilen ist, darüber scheiden sich die Geister.