Vermischtes

Tiere Vor zwei Jahren wurde der belgische Schäferhund Jack ausgesetzt / Neue Heimat bei Polizei

Findelwelpe schiebt Dienst

Silberstedt.Aufmerksam folgt Jack den Anweisungen von Diensthundeführer Hauke Messer. Die beiden schleichen sich an einen Verdächtigen heran. Zumindest im Spiel, das gleichzeitig eine Art Training ist. Auf einer Wiese in Silberstedt im Norden Schleswig-Holsteins zeigt Jack, ein Malinois-Rüde (Belgischer Schäferhund), was er in den vergangenen Jahren gelernt hat. Vor Kurzem beendete er mit Erfolg seine Ausbildung: Jack ist jetzt offiziell Polizeihund mit eigener Dienstnummer.

Der Rüde hat eine besondere Geschichte: Am 4. Dezember 2016 saß Jack – bei Minustemperaturen mitten in der Nacht ausgesetzt und eingesperrt zwischen Euro-Paletten – auf einem Grundstück in einem Gewerbegebiet von Handewitt bei Flensburg. Der damals etwa zehn Wochen alte Welpe wurde von einer Polizeistreife entdeckt.

Aufbauseminare am Anfang

Einer der Kollegen habe den Hund mit Einverständnis von Tierheim und Leitstelle erst einmal mit nach Hause genommen, sagt Hauke Messer. „Die hatten ein bisschen Mitleid mit ihm.“ Eine ehemalige Diensthundeführerin holte den Malinois dann zu sich. „Aber sie hat schnell gemerkt, dass in ihm mehr steckt als in einem normalen Familienhund“, sagt Messer. So übernahm er Jack selbst. Als dieser etwa vier, fünf Monate alt war, stellte der erfahrene Diensthundeführer ihn dem Land vor. „Und die haben gesagt: Ja, stellen wir in den Dienst.“

Die jungen Hunde im Polizeidienst werden nicht sofort als Schutzhunde ausgebildet, sondern erst einmal als Junghunde geführt, sie bekommen spezielle, dem Alter angepasste Aufbauseminare. Ausgeprägter Spieltrieb und Neugierde sind wichtig, um aus einem Welpen einen Polizeihund zu machen.

„Wenn er nicht spielen mag, ist das für einen modernen Diensthundeaufbau nicht geeignet“, sagt Messer, der auch Leiter der Diensthundestaffel der Polizeidirektion Flensburg ist. „Wir machen ja alles über Clicker, über Spiel, über Futter.“ Die Hunde lernten, für ihr Spielzeug oder für eine Belohnung zu arbeiten.

Nach Feierabend Teil der Familie

Während der Ausbildung fand Jack heraus, was er als Polizeihund brauchte – wie die Unterordnung unter seinen Hundeführer sowie das Aufspüren und Verbellen von Tätern. Ende März bestand er die Prüfung. „Er ist jetzt mein ständiger Begleiter. Tag und Nacht, je nachdem wann wir Dienst haben“, so Messer.

Jack hat den zehnjährigen Simba, bisher Messers Begleiter, als Schutzhund abgelöst. Kurz vor der „Pensionierung“ sei Simba glücklich, dass er die Nächte nicht mehr im Streifenwagen verbringen müsse, sagt Messer. Simba steht noch als Rauschgiftspürhund zur Verfügung. Ziel sei, dass Jack den „Kollegen“ auch in diesem Bereich ablöst und Simba komplett in Rente geht. Üblicherweise tut er das nach etwa sieben Jahren Dienst. Den Ruhestand verbringt er dann bei seinem Hundeführer.

Wenn die Arbeit ruft, bekommt Jack jetzt ein dickes Lederhalsband um. „Dann weiß er, jetzt ist Arbeit“, sagt Messer. Nach Dienstschluss ist Jack Familienhund. „Er kann das ganz gut trennen.“