Vermischtes

Umwelt Vorbereitungen für 500 Kilometer langen Transport aus dem Münsterland nach Schleswig-Holstein laufen seit Monaten / Traumatisierte Tiere brauchen viel Zeit

Fleisch als Belohnung: Fünf Bären üben umziehen

Archivartikel

Isselburg.Mit ihren Knopfaugen, den runden Ohren und ihrem dichten Fell sieht Maya zum Knuddeln aus. Aber Pflegerin Sandra Ebbes-kamp bleibt auf Distanz – und Bärendame Maya hinter dem Gitter. „Sie würde sofort ihr Revier verteidigen.“ Maya weiß, was sie zu tun hat. Die Bärin tapst direkt in eine Metallkiste, die ihr noch vor nicht allzulanger Zeit Angst eingejagt hat.

Ebbeskamp drückt auf ein Gerät: Das Klick-Geräusch ist wie ein Lob. Dann gibt es die Belohnung für Maya: rohes Hähnchenfleisch. Auch wenn Bären Pflanzenfresser sind – es scheint zu schmecken. Drei Braun- und zwei Kragenbären üben im Bärenwald der International Bear Federation am Niederrhein für einen Umzug. Vor Jahren hat der Verein Bären aufgenommen, die in Käfigen gelitten haben. Jetzt läuft die Pacht für den Bärenwald in Isselburg (Münsterland) aus. Im September sollen sie nach Schleswig-Holstein ziehen. Der Deutsche Tierschutzbund nimmt sie in Weidefeld auf.

„Stellen Sie sich vor, Sie werden in einen Behälter gesperrt, in dem werden Sie Stunden transportiert, es wackelt und es gibt Geräusche“, sagt der Biologe Patrick Boncourt. Er kennt die Bären, der Tierschutzbund ist Partner des Bärenwaldes.

Als Attraktion missbraucht

Die Annäherung an die Kisten ist ein langsamer Prozess, bei dem Belohnungen wichtig sind. Ist Maya in die Kiste gegangen, macht die Pflegerin ein Klick-Geräusch, und Maya weiß: Es gibt eine Belohnung. Früher war die Bärin in Litauen Attraktion eines Restaurants. Auf einem Schild neben ihrem kleinen Käfig wurden Besucher aufgefordert, Kuchen, Eis und Cola für sie zu kaufen. Der Europäische Braunbär hat normalerweise einen Aktionsraum von 100 Quadratkilometern. In Deutschland ist er zwar ausgerottet, aber jüngst tapste in Tirol ein Bär in eine Fotofalle.

Für Maya geht es beim Umzug mehr als 500 Kilometer nach Norden. Die Tiere brauchen noch Zeit. Erst müssen sie lernen, dass der Schieber auch mal runtergehen und die Kiste geschlossen sein kann. Das braucht vor allem Vertrauen. dpa

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