Vermischtes

Wissenschaft Wörter wie „Pack“ und „Volksverräter“ erregten Aufsehen / Soziale Netzwerke begünstigen Verbreitung

Forscher untersuchen Beleidigungen

Dresden.Schimpfen Sie im Alltag? Wenn ja, wie oft? Beleidigen Sie im Alltag? Nur wenige Fragen hat der gelbe Zettel, der momentan im Dresdner Kulturpalast ausliegt. Wissenschaftler der Technischen Universität haben ihn ausgearbeitet. Besucher der städtischen Zentralbibliothek können darauf auch angeben, was ihnen im Allgemeinen auf den Keks geht. Dann kommt der Zettel in die „Motzbox“ – ein Kästchen auf dem Tresen. So wollen die Forscher den Dresdnern ihren neuen Sonderforschungsbereich (SFB) zum Thema Schmähungen näherbringen. Es geht nicht um Klamauk, sondern Grundlagenforschung: Für den SFB stellt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) für vier Jahre insgesamt 7,5 Millionen Euro zur Verfügung.

Methode der Populisten

Schmähungen und Herabsetzungen – in öffentlichen Auseinandersetzungen finden sich in der letzen Zeit zahlreiche Beispiele dafür. Da ist Pegida, deren Vertreter auf dem Platz vor dem Kulturpalast „Volksverräter“ rufen. Da ist der SPD-Politiker Sigmar Gabriel, der die Verantwortlichen für die Ausschreitungen in einer Flüchtlingsunterkunft im sächsischen Heidenau als „Pack“ bezeichnet. Da ist der Satiriker Jan Böhmermann, der mit einem Schmähgedicht, in dem er etwa die Formulierung „Ziegenficker“ benutzt, eine Staatsaffäre auslöst.

Die Protagonisten könnten unterschiedlicher nicht sein. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Schmähungen benutzen. Schon in den 1970er Jahren habe es hitzige politische Debatten mit Herabwürdigungen gegeben, so Gerd Schwerhoff, der für den Forschungsbereich in Dresden spricht. Derzeit habe das Thema aber eine neue Qualität. Da sei zum einen der Aufstieg der populistischen Bewegungen weltweit, die gerade wegen ihres von Herabsetzungen getränkten Politikstils erfolgreich seien. Zum anderen gebe es durch die sozialen Netzwerke neue Dynamiken.

Ziel des SFB sei es, die Mechanismen der Herabwürdigung zu verstehen und am Ende im Idealfall eine Theorie zu entwickeln.