Vermischtes

Rosenmontag Umzüge in Mainz, Köln und Düsseldorf nehmen Politikprominenz aufs Korn / Hundertausende unterwegs

Fossil und Fleischwolf

Köln/Düsseldorf/Mainz.Hunderttausende dick vermummte Narren bejubelten in den Karnevalshochburgen die Rosenmontagszüge in Mainz, Köln und Düsseldorf. Wie jedes Jahr wurde auch 2018 wieder die Politik aufs Korn genommen. Bei den Rosenmontagszügen wurden Angela Merkel, der gescheiterte Kanzlerkandidat der SPD, Martin Schulz, und die Groko-Quälerei verspottet. Besonders von Schulz blieb dabei nicht viel übrig – in Düsseldorf drehte der einstige SPD-Superstar sich selbst als Pappkamerad mit letzter Kraft durch den Fleischwolf. Und Merkel? Da waren sich die Wagenbauer einig – die Bundeskanzlerin schafft sie alle. Die Kölner ließen Merkel im engen roten Blaser als Discoqueen auftreten – ihre Melodie: „Staying Alive“ – „Am Leben bleiben“.

Rund 200 Kilometer entfernt blickte der Mainzer Carneval-Verein schon in die Zukunft. Ins Jahr 2111. Deutschland wird von einem „lebenden Fossil“ regiert, einer moosgrünen Uraltschildkröte – die „Merkel-Raute“ verrät sie. Und auf einem anderem Wagen streifte sich die CDU-Regierungschefin mal wieder den alten Groko-Frack über – unter dem „Helau“ von bunt kostümierten Besuchern und immerhin bei trockener Witterung. Auch in Mainz blieb Schulz nicht verschont: Ein Persiflagewagen zeigte ihn als Rohrkrepierer.

Alt-Punker auf eigenem Wagen

Während das Motto der 11 000 Teilnehmer im größten und ältesten Rosenmontagszug „Mer Kölsche danze us der Reih“ („Wir Kölner tanzen aus der Reihe“) lautete, hieß es beim rheinischen Rivalen in Düsseldorf: „Jeck erst recht!“ Die Motive des dortigen Wagenbauers Jacques Tilly gelten als besonders provokant. SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles dürfte ihr satirisches Konterfei nicht sehr charmant finden: Breiter als hoch, in roten Boxhandschuhen kam sie daher – die Narren orakelten: „Genossen, das Ende ist NAHles!“ In Düsseldorf gaben sich zudem die Alt-Punkrocker, die Toten Hosen, die Ehre. Auf einem eigenen Wagen fuhren sie durch die Innenstadt und sorgten unter anderem mit dem „Altbier-Lied“ für Stimmung. In den großen Zügen wurde außerdem Dampf abgelassen gegen den „Dieselsumpf“. Die „#MeToo-Debatte“ war ebenfalls Thema – etwa in Kölle, aber sehr brav: Zwei Männer im Schweinekostüm hechelten einer Frau hinterher.

Unfall mit Pferdekutsche

Auch die Mächtigen weit fernab der Narren-Hauptstädte waren zum Höhepunkt des Straßenkarnevals nicht sicher vor Häme: Eine beliebte Zielscheibe des Spotts blieb Donald Trump. In Köln fuhr eine Pappmaché-Ausgabe des US-Präsidenten als Dampfwalze mit, in Düsseldorf lastete die Russland-Affäre in Gestalt eines dicken Bären auf ihm, und in Mainz drosch er mit einem Golfschläger auf das Klimaabkommen ein. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un stemmte – mit debilem Lächeln – eine Atomrakete in die Höhe.

In Mainz und Düsseldorf wurden insgesamt mehrere hunderttausend Besucher erwartet. Rund eine Million sollten es in der Domstadt sein.

In Köln wurde der Zug von einem Unglück überschattet: Dort ging eine Pferdekutsche durch. Der Kutschführer, drei weitere Personen aus der Kutsche und eine Zuschauerin wurden nach Polizei-Angaben „leicht bis mittelschwer“ verletzt. Alle fünf kamen ins Krankenhaus. Tierärzte kümmerten sich um die beiden Pferde. Die Polizei prüft, ob ein Flaschenwurf die Tiere in Panik versetzt haben könnte.

Abgesehen von dem Kutschunglück äußerte sich die Polizei in Köln, Düsseldorf und Mainz zunächst zufrieden mit dem Verlauf der großen Karnevalszüge. dpa