Vermischtes

„Frauen wollen sicher sein“

Archivartikel

Katja Möhring, Professorin für Makrosoziologie an der Universität Mannheim

Frau Möhring, aus welchen Gründen entscheiden sich Menschen heute für Kinder?

Katja Möhring: Es gibt sicher viele Gründe, vor allem auch private. Aber wir sehen in der demografischen Forschung vor allem, dass eine stabile wirtschaftliche Situation des Paares oder der Frau sehr wichtig ist. Frauen bekommen immer später Kinder, häufig erst mit Mitte 30. Viele warten, bis sie sich im Beruf etabliert haben. Dann ist es natürlich sehr wichtig, dass Familie und Beruf vereinbar sind. Die Möglichkeit der Kinderbetreuung ist also entscheidend. Die Frauen wollen sicher sein, dass sie ihren Beruf auch mit Kind weiter ausüben können.

Gibt es über diese wirtschaftlichen Faktoren hinaus weitere?

Möhring: Die soziologische Forschung zeigt, dass es auch Ansteckungseffekte gibt: Wenn Kollegen oder Freunde Nachwuchs bekommen, steigt die Wahrscheinlichkeit, selbst Eltern zu werden. Was sich auch zeigt: Wenn die potenziellen Großeltern in Rente gehen, sind die Menschen eher bereit, Kinder zubekommen – wahrscheinlich auch im Hinblick auf die mögliche Betreuung.

Welchen Stellenwert haben Kinder in der Gesellschaft?

Möhring: Auf der einen Seite haben wir in Deutschland eine relativ hohe Wertschätzung. Die Politik ist mit dem Ausbau der Kinderbetreuung und dem Elterngeld Plus auf dem richtigen Weg, es muss noch viel getan werden. Auf der anderen Seite ist die Lage von Alleinerziehenden in Deutschland sehr schlecht: Wir haben im europäischen Vergleich eine relativ hohe Armutsquote und die höchste steuerliche Belastung dieser Gruppe. Das ist keine Wertschätzung, die wir als Gesellschaft Alleinerziehenden entgegenbringen. kla