Vermischtes

Film und Fernsehen Kölner Requisitenlager verleiht Ausstattung aus verschiedenen Jahrzehnten

Für jede Zeit die passende Lampe

Archivartikel

Köln.Auf den ersten Blick sieht es hier aus wie in einem Möbellager oder in einem Baumarkt. Regale bis zur Decke und breite Gänge, durch die die Kunden hier allerdings keine Einkaufswagen schieben, sondern eine Art Teewägelchen. Schaut man in die Regale, so findet man dort künstliche Torten, Uralt-Handys oder eine Kiste mit dem Schild „Haushaltswaren um 1940“.

Haushaltsauflösungen als Quelle

Diese Kollektion der Merkwürdigkeiten ist eines der größten deutschen Magazine für Requisiten und Kostüme in Köln. Es ist kein Kaufhaus, sondern ein Leihhaus: Film- und Fernsehschaffende decken sich hier für ihre Produktionen ein. Die Sachen zu kaufen, wäre zu teuer. Deshalb mietet man sie. Die Auswahl umfasst etwa 240 000 Artikel.

„Die Stühle da oben, die waren letztens noch im Finale von „Germany’s Next Topmodel“, sagt Niederlassungsleiter Dirk Bleckmann. Die Kronleuchter, die „Let’s Dance“ den passenden Glanz verliehen, hängen wieder an ihrem Platz im Erdgeschoss, wo die Großrequisiten lagern. Einige Requisiten hatten schon große Auftritte: Ein orientalisches Bett war im Kinofilm „Der Medicus“ zu sehen. Direkt daneben eine moderne Küche – sie stammt aus der Lindenstraße, die gleich gegenüberliegt, denn die „Film und Theater-Ausstattung“ (FTA) – so heißt das Requisitenmagazin – befindet sich auf dem WDR-Gelände im Kölner Stadtteil Bocklemünd. Die Lindenstraße selbst bietet einen traurigen Anblick: Sie ist mit Gitterzäunen abgesperrt. Die Serie ist eingestellt, die Bewohner kehren nicht mehr zurück.

Die Requisiten stammen teils aus WDR-Beständen, teils aus Haushaltsauflösungen. „Wenn man sich Serien wie „Ku’damm 63“ oder „Unsere wunderbaren Jahre“ ansieht, da ist es natürlich wahnsinnig wichtig, dass die Kostüm- und Szenenbildner authentische Dinge bekommen“, erläutert Bleckmann. „Das Problem ist: Das Leben geht weiter, aber unser Platz ist endlich. Deshalb müssen wir uns schweren Herzens auch von Dingen trennen.“

Auch für die Verfilmung des Gladbecker Geiseldramas wurde zugeliefert. „Da haben Sie die 1980er Jahre. Das ist optisch, designmäßig eher ein schlimmes Jahrzehnt gewesen, und da findet man dann auch nicht mehr unbedingt was bei Ebay“, sagt FTA-Mitarbeiter Christoph Hehring. „Die Kollegen stehen dann hier und sagen: „Ich brauch’ ein Fahrrad.“ Und wenn das von 1990 ist, dann kann man das eben nicht nehmen, denn es wird mit Sicherheit irgendeinen Fernsehzuschauer geben, der das merkt und beim Sender anruft.“

Auch für Privatleute geöffnet

Könnte es sein, dass Requisiten bald nicht mehr gebraucht werden, weil alles am Computer gemacht wird? Tatsächlich werde die Vermietung virtueller Möbelstücke geprüft, sagt Bleckmann. „Die könnte man dann ins Bild hineinprojizieren.“Allerdings glaubt er, dass der Technik Grenzen gesetzt sind: „Sobald der Gegenstand in die Handlung mit reinkommt, wird es schwierig.“ Der „Tatort“-Kommissar muss auf einem echten Stuhl sitzen. Denkbar wäre aber, den realen Sessel, auf dem er sitzt, virtuell zu vervielfältigen, wenn in dem Raum mehrere Sitzgelegenheiten sein sollen.

Auch Privatleute können das Leihhaus besuchen. Allerdings verleiht Hehring kein gutes Rokoko-Kleid für eine Karnevalsfeier: Denn das kann man unter Umständen hinterher nur noch als Bettlerkostüm verwenden. dpa

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