Vermischtes

Würth-Prozess Verhandlung dauert bis Anfang Dezember

Gericht vermutet Mittäter

Gießen.Vor dem Landgericht Gießen hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Entführer von Milliardärssohn Würth begonnen. Am kurzen ersten Verhandlungstag gestern wurde nur die Anklage verlesen. Demnach soll der 48-jährige Angeklagte mit noch unbekannten Mittätern den behinderten erwachsenen Sohn des baden-württembergischen Unternehmers Reinhold Würth im Juni 2015 im osthessischen Schlitz entführt und drei Millionen Euro Lösegeld gefordert haben. Die Übergabe scheiterte aber, das Opfer kam unversehrt frei.

Angeklagter nahm Kontakt auf

Ob der Angeklagte in dem Prozess aussagen wird, ist nach Angaben der Verteidigung noch offen. Nach seiner Festnahme im März hatte er die Tat bestritten. Der 48-Jährige war der Anklageschrift zufolge derjenige, der Kontakt zur Familie von Markus Würth aufgenommen und die Lösegeldforderung gestellt hatte. Das Opfer lebte in einer integrativen Wohngemeinschaft in Schlitz und wurde von dort entführt. Nach der gescheiterten Geldübergabe soll der 48-Jährige den Aufenthaltsort des damals 50-Jährigen preisgegeben haben. Dieser wurde in einem Wald bei Würzburg an einen Baum gekettet gefunden. Motiv für die Tat sollen Geldprobleme gewesen sein.

Stimme zentrales Beweismittel

In dem Prozess soll ein Stimmgutachten von Wissenschaftlern im Mittelpunkt stehen, was eine Besonderheit wäre. Es sei ein „Novum“, dass ein solches Gutachten das zentrale Beweismittel in einem Verfahren sei, erläuterte der Gießener Staatsanwalt Thomas Hauburger.

Zwei Experten-Teams hatten einen Telefon-Mitschnitt des Entführers so gut analysiert, dass sie aufgrund der Sprechweise unter anderem sein Alter, seine Heimatregion sowie die Gegend bestimmen konnten, in der der Täter Deutsch gelernt habe. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Stimme des Täters dem Angeklagten, der aus Serbien stammt, gehört. Das Landgericht Gießen will den Fall bis Anfang Dezember verhandeln.