Vermischtes

Justiz Sänger sagt als Zeuge vor Gericht aus / Zwei Fotografen nach Vorfall am Flughafen angeklagt

Grönemeyer: „Es war wie ein Anschlag“

Archivartikel

Köln.„Morgen!“ Herbert Grönemeyer (62) nickt und lächelt, als er gestern den Gerichtssaal betritt, fast so, als käme er in ein Studio. Es beginnt auch mit einer Mikrofonprobe, weil die Anlage im maroden Kölner Landgericht so ihre Tücken hat.

„Eins, zwei, drei“, spricht Grönemeyer hinein. Ok, funktioniert. Die Anhörung des prominenten Zeugen im Strafprozess gegen zwei Promi-Fotografen kann losgehen.

Es geht um einen Dezembertag 2014. „Ich bin zu meiner Mutter gefahren mit meinem Sohn und meiner damaligen Lebensgefährtin.“ Heute ist das seine Frau, sie heißt Josefine Cox. Ein Adventsbesuch war geplant. Aber kurz nach der Ankunft auf dem Flughafen Köln/Bonn fühlte sich Grönemeyer verfolgt. Der Typ hatte eine große schwarze Tasche bei sich und holte da was raus. In dem Moment, erzählt Grönemeyer, habe er an einen Anschlag geglaubt. „Ich war wirklich extremst nervös.“

Zum Vorschein kam dann aber keine Waffe, sondern nur eine Kamera. Für den Sänger stand damit fest: Hier ging es darum, seine Familie abzulichten. Er selbst sei ja immer für ein Foto oder ein Selfie zu haben, betont Grönemeyer vor Gericht. Aber für seine Familie gelte ein rigoroses Fotoverbot.

Zahllose Menschen haben sich im Internet angeschaut, was dann geschah. Das Video, das einer der beiden Fotografen gemacht hat, zeigt, wie Grönemeyer auf ihn zuläuft und ruft: „Fuck off! Fuck off! (Hau ab!) Ich bin privat hier, du Affe!“ Kurzzeitig sieht man nicht mehr viel, dafür hört man ein ziemliches Gerumpel. Anschließend läuft Grönemeyer auf den anderen Fotografen zu und packt ihn – so wirkt es jedenfalls – im Nacken. Der Mann geht zu Boden. „Geh nach Hause!“, ruft Grönemeyer.

Die Paparazzi haben ihn wegen gefährlicher Körperverletzung angezeigt. Von Prellungen, blauen Flecken, Rötungen und Schürfwunden war etwa die Rede. Der eine Fotograf will sogar psychische Probleme zurückbehalten haben. Dem anderen war angeblich noch lange schlecht.

Das von den beiden angestrengte Verfahren gegen Grönemeyer ist eingestellt worden, ein Zivilverfahren hat er gewonnen. Und nun sind die beiden Fotografen selbst angeklagt – wegen falscher Verdächtigung und uneidlicher Falschaussage. Theoretisch können sie dafür sogar ins Gefängnis kommen.

Urteil frühestens nächste Woche

Grönemeyer beantwortet alle Fragen entschieden, aber ruhig. Er habe keinerlei Gewalt angewandt und die beiden nicht verletzt, sagt er. „Ich werd’ ja nicht übergriffig.“ Er selbst habe das Ganze wie ein Kesseltreiben empfunden. „Ich war schwerstens geschockt, es war wie ein Anschlag.“ Am Nachmittag sagen auch noch seine Frau und sein Sohn aus. Ein Urteil wird frühestens nächste Woche erwartet.

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