Vermischtes

Literatur Schauspieler Max von Thun hat zusammen mit seinem siebenjährigen Sprössling einen Kinderroman geschrieben

„Habe meinem Sohn und mir ein Geschenk gemacht“

Archivartikel

Berlin.Es gab Zeiten, da verband man mit Max von Thun Komödien wie „Gut zu Vögeln“ oder „Traumfrauen“. Doch in den letzten Jahren ist der 43-Jährige eher in Familienfilmen wie „Benjamin Blümchen“ präsent. Denn längst spielt sein Sohn die Hauptrolle in seinem Leben. Und aus den Geschichten und Liedern, die er für ihn erfand, hat von Thun eine kreative Betätigung entwickelt: Nach einem ersten Kinderbilderbuch hat er nun mit seinem Siebenjährigen als Co-Autor den Roman „Der Sternenmann und das große Abenteuer“ herausgebracht.

Bekannt sind Sie vor allem als Schauspieler. Macht das Schreiben von Kinderbüchern mehr Spaß?

Max von Thun: Es ist auf jeden Fall was Besonderes, denn das findet in völliger Autonomie statt. Ich muss mich nach niemand richten und muss keine Kompromisse eingehen. Als ich den Roman geschrieben habe, saß ich im Hemingway-Stil mit Brandy und Zigarillos am Strand von Thailand. Das gibt es bei einem Dreh nicht.

Sie haben das Buch ja gemeinsam mit Ihrem Sohn verfasst. Der hat vermutlich nichts von Brandy und Zigarillos abbekommen.

Von Thun: Nein, denn ich hatte Aufnahmen von seinem ganzen Input dabei. Weil ich das mit ihm schreibe, macht das noch mehr Spaß. Er hat ganz tolle Ideen, wenn ich mal in einer Sackgasse stecke. Ich bin ganz erstaunt, was er für Lösungen hat, und er fühlt sich beflügelt, weil er dabei voll ernstgenommen wird.

Inwieweit denkt er ander s als Sie?

Von Thun: Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass Kinder mit einer ganz tollen ungefilterten Fantasie ausgestattet auf die Welt kommen. Aber man gewöhnt ihnen die im Lauf der Jahre ab, indem man ihnen zu viel Schwachsinn im Fernsehen vorsetzt. Ich würde nicht sagen, dass alles Gold ist, was aus dem Mund meines Sohnes purzelt, aber er hört viele Hörbücher, wir lesen viel, und er mischt sich die Sachen in seinem Kopf zusammen, so dass da Dinge herauskommen, die mir so nicht einfallen würden.

Die Fantasie von Kindern wird ja heute auch sehr stark durch Computer und das Internet geformt. Was ist Ihre Haltung dazu?

Von Thun: Grundsätzlich finde ich es sinnvoller, wenn Kinder auf den Baum klettern und Räuber spielen, als am iPad zu sitzen. Natürlich ist das eine Generation, die ganz anders damit groß wird. Ich versuche, meinem Sohn vorzuleben, dass man mit einem Computer oder iPhone auch Sinnvolles machen kann. Er darf am Tag 15 Minuten Spiele auf einem ausrangierten iPhone machen. Wenn das in Maßen und zeitlich begrenzt geschieht, dann richtet man nicht allzu viel Schaden an.

Wenn Ihr Sohn eines Tages stundenlang Games spielen will, wie werden Sie damit umgehen?

Von Thun: Ich versuche schon seit längerer Zeit bei meinem Sohn weniger mit Strenge und Regeln aufzutreten, sondern ihn eher mit Argumenten zu überzeugen. Wenn er was macht, was ich blöd finde, dann schimpfe ich ihn nicht, sondern erkläre ihm genau, was das für Folgen hatte und weshalb er besser nachdenken sollte. So gesehen kann ich ihm hoffentlich klarmachen, dass er kein besserer, produktiverer oder kreativerer Mensch wird, wenn er stundenlang vor dem Computer abhängt, sondern eher das Gegenteil. Ich hoffe, ich bringe ihn so weit, dass er bis dahin schon seine erste Schulband gegründet hat. Dann merkt er, es kommt bei Mädels super an, wenn ein paar Typen mit schlecht gestimmten Gitarren ein bisschen Krach machen.

Der Titel des Buchs erwähnt „das große Abenteuer“. Was war denn das größte Abenteuer, das Sie selbst erlebten?

Von Thun: Ich hatte ein sehr buntes Leben. Ich war in vielen Ländern, bin zum Beispiel drei Monate mit dem Rucksack durch Indien gereist, habe auf der Straße Sitar gelernt. Nach dem Abitur bin ich ein Jahr mit meiner damaligen Band im VW-Bus durch Europa gefahren und habe auf Stränden und auf Marktplätzen musiziert, was mir erstaunliche Begegnungen bescherte. Ich habe also mein Leben ganz schön ausgekostet. Deshalb fiel es mir leicht, vor drei Jahren zu sagen, ich versuche beruflich ein bisschen kürzer zu treten und drei Jahre mit meinem Sohn zu verbringen. Denn zwischen drei und sechs ist eine goldene Zeit bei Kindern, in der so viel passiert. Damit habe ich mir und meinem Sohn ein Geschenk gemacht.

Die Freiheit, einfach so um die Welt ziehen zu können, vermissen Sie also nicht?

Von Thun: Man redet sich immer ein, dass man das vermisst, aber ich wage zu behaupten, wenn man die Möglichkeit hätte, dann würden einem viele Gründe einfallen, warum man doch nicht vier Monate nach Indien fährt. Irgendwann merkt man auch, dass die Zeit nicht spurlos an einem vorbeigeht, und man muss nicht mehr zwingend mit dem Rucksack durch Länder trampen.

Was sind denn bleibende Erkenntnisse, die Sie auf Ihren Reisen gewonnen haben?

Von Thun: Ich war auch viel in Afrika und Südamerika, und eigentlich ist meine Erfahrung, je ärmer ein Land ist, desto netter und freundlicher sind oft die Einwohner. Da wohnen Menschen in einem Einzimmer-Apartment und wissen nicht, wie sie nächsten Monat die Miete zahlen, aber trotzdem teilen sie ihr Essen, machen mit mir Musik und sind fröhlich. Wir dagegen neigen dazu, gleich zu meckern, wenn mal eine Kleinigkeit nicht passt. Lieber sollten wir uns eine Scheibe von solchen Ländern abschneiden.

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