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"Xavier" Mindestens sieben Menschen sterben bei Sturmtief / Hamburger Feuerwehr warnt

"Halten Sie sich nicht im Freien auf!"

Archivartikel

Berlin/Hamburg.Die Berliner Feuerwehr hat gestern wegen Sturm "Xavier" den Ausnahmezustand ausgerufen. Innerhalb einer halben Stunde gingen am Nachmittag rund 50 Notrufe ein, teilte die Behörde mit. Dabei gelte Menschenleben vor Sachschäden. "Wenn ein Mensch von einem Baum getroffen wird, muss eine Straßenblockierung durch einen abgefallenen Ast erstmal warten." Den Ausnahmezustand ruft die Feuerwehr immer dann aus, wenn die Behörde mit den eingehenden Notrufen nicht mehr hinterherkommt. Grund für den gestrigen Ausnahmezustand war das Sturmtief "Xavier", das mindestens sieben Menschen getötet hat.

Behinderungen auf Zugstrecken

Der Bahnverkehr wurde auf vielen Strecken komplett lahmgelegt. Betroffen war vor allem der Norden. Auch auf den Fernverkehrsstrecken Berlin-Hannover und Berlin-Hamburg rollten zunächst keine Züge mehr. Man wollte so vermeiden, dass Züge auf offener Strecke liegenbleiben, sagte ein Bahn-Sprecher. Die Hamburger Feuerwehr forderte die Bevölkerung auf, wegen des Sturms nicht vor die Tür zu gehen. Neben der Frau, die starb, seien mindestens zehn weitere Menschen bei dem Unwetter verletzt worden. In Hamburg habe die Feuerwehr binnen zweier Stunden über 600 sturmbedingte Einsätze gehabt.

Auch in Hannover rückten die Einsatzkräfte wegen umgestürzter Bäume und abgerissener Dachverkleidungen aus. Ein Ast durchschlug die Windschutzscheibe eines fahrenden Autos. Bei Holzminden (Niedersachsen) wurde eine Kreisstraße von einem umgestürzten Baum blockiert, außerdem stürzte ein Baum auf drei Autos - verletzt wurde jedoch niemand. In Werlte bei Osnabrück fuhr ein Autofahrer in einen umgestürzten Baum.

Tempolimit für U-Bahn

"Warnung für Hamburg. Halten Sie sich aktuell nicht im Freien auf, bleiben Sie im geschützten Bereich!", twitterte die Feuerwehr des Stadtstaates. Ein Sprecher sagte, die Feuerwehr der Hansestadt sei wegen mehrerer eingeklemmter Personen und umgestürzter Bäume zu zahlreichen Einsätzen ausgerückt. Es liefen Dutzende Notrufe ein.

Das Sturmtief brachte den Bahnverkehr in ganz Norddeutschland zum Erliegen. Die Bahn stellte den Zugbetrieb in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bremen und auch den S-Bahnverkehr in Hamburg bis auf weiteres ein. Ursache waren auf die Gleise oder in die Oberleitungen gewehte Bäume. Auch Teile von Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern waren von Zugausfällen tangiert. Die Hamburger U-Bahn war nach Angaben der Hochbahn ebenfalls betroffen. Aus Sicherheitsgründen galt auf allen oberirdischen Strecken ein Tempolimit von 40 Kilometern pro Stunde, twitterte die Hochbahn.

Flugreisende mussten ebenfalls Einschränkungen hinnehmen. Wegen des heftigen Sturms im Norden mussten etliche Verbindungen ausfallen. Der Flughafen Bremen meldete mindestens drei gestrichene Flüge von und nach Amsterdam sowie eine abgesagte Maschine aus Istanbul.

An den Berliner Flughäfen Schönefeld und Tegel hatten Passagiere vorübergehend ihre gelandeten Flugzeuge nicht verlassen dürfen, neue Maschinen waren vorerst nicht beladen worden. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe wurde wieder damit begonnen, Maschinen abzufertigen. Die Vorfeldabfertigung sei wieder aufgenommen worden, twitterte die Flughafengesellschaft am Abend. Auch in Hannover fielen Verbindungen aus. In Hamburg fuhr die S-Bahn nicht mehr zum Airport. Auch wurde mit Verspätungen bei den Flügen gerechnet. Die Internationale Gartenausstellung (IGA) in Berlin blieb wegen der Unwetterwarnung erstmals in diesem Jahr komplett geschlossen.

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