Vermischtes

Justiz Bundesgerichtshof verhandelt die Klage eines Mannes, dessen Vater möglicherweise zu lange am Leben gehalten wurde

Hat der Arzt den Tod verzögert?

Karlsruhe/München.Die Klage gegen einen Arzt, der einen Demenzkranken möglicherweise zu lange am Leben erhalten hat, stößt beim Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe auf grundsätzliche Bedenken. Die obersten Zivilrichter neigen eher nicht dazu, dem Sohn als Erben Schmerzensgeld und Schadenersatz zuzusprechen, wie sich gestern in der Verhandlung in Karlsruhe abzeichnete. Ein Urteil über den Wert eines Lebens verbiete sich, sagte die Senatsvorsitzende Vera von Pentz. Die Richter wollen die Frage aber beraten und ihre Entscheidung erst in den nächsten Wochen verkünden.

Der Sohn fordert vom Hausarzt mehr als 150 000 Euro. Der Vater, der sich zum Schluss weder bewegen noch mitteilen konnte, war 2011 mit 82 Jahren gestorben. In den letzten Lebensjahren wurde er per Magensonde ernährt. Der Sohn ist der Ansicht, dass das Leiden seines Vaters unnötig in die Länge gezogen wurde. Wie viel Behandlung dieser selbst gewünscht hätte, weiß niemand.

Das Münchner Oberlandesgericht hatte ihm zuletzt 40 000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen. Die Richter dort meinten, der Arzt habe Aufklärungspflichten verletzt: Er hätte spätestens 2010 mit dem Betreuer des Demenzkranken beraten müssen, wie es weitergehen soll.

Mit dem Urteil scheint der BGH Probleme zu haben. Die Vorsitzende sagte, nur jeder Einzelne für sich könne entscheiden, wann er nicht mehr weiterleben wolle. Sie betonte, dass der Sohn zu Lebzeiten des Vaters die Möglichkeit gehabt hätte, beim Betreuungsgericht eine Prüfung des Falls zu beantragen. dpa