Vermischtes

Gesellschaft Deutschland sucht angesichts der Corona-Krise Lösungen für den veränderten Alltag

Helfen, streamen, improvisieren

Archivartikel

Berlin.Es gibt wohl kaum jemanden in Deutschland, für den das Leben derzeit ganz normal ist. Schulen sind zu, Spielplätze und Läden auch, Restaurants schließen früh. Das neuartige Coronavirus verändert fast alles für fast alle, die Sorgen vor einer Wirtschaftskrise, vor Jobverlust und Engpässen wachsen. Doch viele Menschen nehmen die Herausforderung an, bemühen sich in der Krise um Humor – und werden kreativ. Ein Überblick über die Lage in Deutschland:

Schüler, Eltern und Lehrer

Millionen Kinder und Jugendliche gehen nicht wie gewohnt in Schule oder Kita. Viele Schulen setzen nun auf Online-Plattformen wie etwa Moodle, wo Schüler Aufgaben erhalten und einreichen können. Viele Eltern versuchen, die Arbeit im Homeoffice und die Bespaßung der Kleinen unter einen Hut zu bekommen – da dient der Küchentisch schon mal zum Basteln, als Konferenzraum und Kantine gleichzeitig.

Hilfsbereite Nachbarn

In ganz Deutschland sprießen Hilfsangebote aus dem Boden. Da sind Nachbarinnen und Nachbarn, die einfach per Zettel im Treppenhaus anbieten, für Ältere und andere Risikogruppen die Einkäufe zu erledigen. Aber auch Partei-Nachwuchsorganisationen oder Ultra-Fanvereinigungen von Fußballclubs wie Borussia Dortmund und dem VfB Stuttgart organisieren Hilfen: In der Krise gibt es auch viel Solidarität.

Restaurants

Wer zum Abendessen ins Restaurant will, muss in den nächsten Wochen schon ziemlich früh essen. Spätestens um 18 Uhr machen die Restaurants zu, in Nordrhein-Westfalen sogar schon nach dem Mittagessen um 15 Uhr. In Bayern gilt das zumindest für Biergärten und Außenterrassen. In Schleswig-Holstein müssen die Restaurants sogar ganz geschlossen bleiben. Nur Lieferservices und Gerichte zum Abholen sind noch erlaubt – viele Restaurants stellen um oder verkaufen Gutscheine, um die Einnahme-Lücken wenigstens zu mindern.

Geschäfte und ihre Kunden

Viele Läden sind zu – Supermärkte, Banken, Apotheken, Drogeriemärkte und andere wichtige Orte für Alltagserledigungen bleiben aber offen. Profitieren dürfte der Onlinehandel. Der weltgrößte Online-Händler Amazon gibt auch in Deutschland vorübergehend Lieferungen von Medikamenten und unerlässlichen Haushaltsgütern Vorrang – wer Bücher oder Spiele gegen die Langeweile bestellt, muss möglicherweise warten.

Sportfreunde

Auch Fitnessstudios und Sportstätten sind vielerorts schon dicht. Studioketten versorgen ihre Kunden mit Tipps und Video-Anleitungen für das Training in den eigenen vier Wänden. Wo das Wetter frühlingshaft ist, setzen viele aufs Joggen, Kicken oder zumindest Spazierengehen an der frischen Luft – jedenfalls diejenigen, die noch vor die Tür dürfen. Auch Wander- und Radwege sind offen.

Profisport

Die Fußball-Bundesliga ist dicht und die Europameisterschaft auf das kommende Jahr verschoben. Die Profis trainieren trotzdem weiter – allerdings bei vielen Vereinen in Heimarbeit. Der FC Bayern München schickte Spielern dafür sogar Fahrradergometer nach Hause. Torjäger Robert Lewandowski veröffentlichte ein Foto aus dem Kraftraum – bei Liegestützen liegt ihm Tochter Klara als Extragewicht auf dem Rücken.

Kulturliebhaber

Konzertsäle, Theater, Kinos – alles dicht. Bleibt dann wirklich nur Filme zu schauen oder Bücher zu lesen? Von wegen, viele Konzerte werden live ins Internet übertragen, Theater-, Ballett- und Opernvorstellungen online gestellt. Der Pianist Igor Levit überträgt Hauskonzerte aus seinem Wohnzimmer live auf den sozialen Netzwerken Twitter und Instagram. Die Berliner Clubszene will ab Mittwoch jeden Abend DJ-Sets live übertragen – betont aber, das sei kein Aufruf, privat Partys zu veranstalten. Satiriker Jan Böhmermann und Entertainer Olli Schulz reagieren mit einem „Quarantäne-Sondersendeplan“ und senden ihren Podcast „Fest & Flauschig“ nun fünfmal in der Woche.

Klar Schiff machen

Offenbar nutzen viele Menschen die viele Zeit in den eigenen vier Wänden zum Entrümpeln. Das vermutet jedenfalls der Verband kommunaler Unternehmen. „Die Recyclinghöfe haben seit etwa 14. März verstärktes Besucheraufkommen verzeichnet“, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Die kommunalen Entsorger bitten die Menschen allerdings darum, diese Arbeiten auf einen späteren Zeitpunkt zu verlagern – noch sei die Personaldecke nicht stark eingeschränkt durch Erkrankungen oder Quarantäne, das könne sich aber jederzeit ändern. (dpa)

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