Vermischtes

Unglück Mit Sicherheitsanzügen untersuchen Experten Trümmer der Maschine in Erzhausen

Helfer bergen Opfer aus abgestürztem Flugzeug

Archivartikel

Erzhausen/Moskau.Es müssen grauenhafte Sekunden im Angesicht des Todes gewesen sein. Nur zwei in die Luft ragende Rotorblätter zeugen am Unglücksort noch davon, dass es sich bei den Trümmern um ein Flugzeug gehandelt hat. Der Rest ist zusammengeschmolzen und verkohlt. Was genau in den Sekunden vor dem Aufprall auf einem Spargelfeld bei Erzhausen in Südhessen passiert ist, ist noch unklar. Doch der Pilot und seine beiden Passagiere aus Russland müssen sofort tot gewesen sein.

Die Fakten: Am Sonntagmittag startet das in Russland zugelassene Flugzeug eines US-Herstellers vom Typ Epic E1000 im französischen Cannes. Gegen 15.30 Uhr schlägt die Maschine vor der Landung auf dem Flughafen in Egelsbach auf den Boden und geht in Flammen auf. Zuvor meldete sich der Pilot bei der Deutschen Flugsicherung ab, um sich beim Tower in Egelsbach anzumelden. Er geht vom Instrumentenflug in den Sichtflug über – der Flugsicherung zufolge nicht ungewöhnlich.

Giftige Teilchen erschweren Arbeit

„Ich hab nur gesehen, dass er schräg hängt in der Luft“, sagt eine Augenzeugin am Tag nach der Tragödie. „Dann ist er frontal runtergekracht und explodiert.“ Nach ihrer Ansicht hätte es noch schlimmer kommen können. „Da laufen immer viele Leute rum. Es war noch gut, dass die Spargelhelfer nicht auf dem Feld waren.“ Doch der Absturz ist wohl auch Ursache für ein weiteres Unglück. Ein Streifenwagen kollidiert auf dem Weg zum Unglücksort am Sonntag mit einem anderen Auto. Zwei junge Männer sterben, drei Polizisten werden verletzt. Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) sichern Spuren. Noch bis heute sollen mit Unterstützung von Experten aus Russland die Untersuchungen des Wracks andauern, sagt Untersuchungsleiter Jens Friedemann. Erschwert werden die Arbeiten durch giftige Teilchen, die beim Verbrennen des Flugzeugs aus Kohlefaserverbundstoffen entstehen. Nur in Schutzanzügen können die Experten an dem Wrack arbeiten.

Wie genau das Flugzeug abgestürzt ist, sei noch unklar. Dazu müssten zunächst auch noch die Funk- und Radardaten ausgewertet werden. Die Flugbahn müsse sehr steil gewesen sein. Einen ersten Zwischenbericht will die BFU am 25. Mai vorlegen. Ein Abschlussbericht könne Monate dauern.

„Es war wichtig für uns, dass wir heute die Leichen bergen konnten“, sagt Friedemann. Sie sollen nun weiter rechtsmedizinisch untersucht werden. Bei dem Unglück starb auch die prominente russische Geschäftsfrau Natalija Filjowa. Die 55 Jahre alte Miteigentümerin der S7-Fluggesellschaft war nach Unternehmensangaben an Bord, Medienberichten zufolge auch ihr Vater. Auch der Pilot soll aus Russland kommen.

Dem russischen Zwischenstaatlichen Luftverkehrskomitee zufolge sind Flugschreiber bei dem abgestürzten Flugzeugtyp nicht zwingend vorgeschrieben. Ob der Unglücksflieger mit einem ausgerüstet war, sei unklar. Luftfahrzeuge wie die Unglücksmaschine gibt es im Deutschen Luftraum zu Tausenden. Von den gut 21 000 beim Luftfahrtbundesamt angemeldeten Luftfahrzeugen gehören mehr als 20 000 wie die Epic zum Bereich der Allgemeinen Luftfahrt. Hier sind neben Motorflugzeugen auch Segler, Helikopter oder Ballone erfasst.

Die Flugzeuge fliegen in der Regel auf Sicht und bei weiteren Strecken auch nach Flugplänen, die zuvor mit der Flugsicherung und Eurocontrol geplant und genehmigt werden müssen. Die Pläne enthalten unter anderem Abflug- und Ankunftszeit, Reisegeschwindigkeit, Flugstrecke, Höhe, Zielflugplatz und Ausweichplätze. Die Flugzeuge werden aber nicht fortwährend von Lotsen begleitet, die sich ausschließlich um die größeren Flieger im Instrumentenflug kümmern. Diese Daten muss die BFU nun auch für die Unglücksmaschine auswerten.

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